Die Weihnachtsfeier oder wie Micha und Jasin trommelten

Der Schnee fiel über das kleine Dorf Neumarkt und dicke Flocken fielen auf das Dach des Kindergartens. Nach Jahren hatte es endlich mal wieder pünktlich vor Weihnachten geschneit und das war ein Grund mehr für Tina eine Weihnachtsfeier zu veranstalten. In Eiltempo wurde mit den Kindern ein Lied eingeübt und alle freuten sich auf den letzten Kindergartentag vor den großen Ferien.

Als die Feier begann, waren auch einige nicht- christliche Kinder dabei. Auch, wenn Weihnachten nicht Teil ihrer Religion war, so wollten sie sich diesen Tag nicht entgehen lassen. Die Eltern wurden eingeladen und auch die der nicht- christlichen Kinder kamen. Die Kinder stellten sich für das Lied neben dem langen Tisch mit der vielen Plätzchen auf und freuten sich riesig. Ein Junge, Micha hieß er, fragte seinen besten Freund Jasin. „Jasin, stellst du dich neben mir her?“ Der kleine Junge machte das gerne und weil er etwas kleiner als Micha war und auch jünger, stellte sich Micha neben ihm am Rande hin und legte brüderlich und schützend seinen Arm um Jasins Hals.

Das Lied war ein Volltreffer. „Stille Nacht“ in verschiedenen Sprachen. Einwandfrei sangen die Kinder Englisch, Italienisch und auch in anderen Sprachen die Strophen und so manches Kind fühlte sich langsam international und stolz, einen größeren Sprachschatz zu besitzen als seine eigenen Eltern.

Als das Lied fertig war und die Kinder spielen durften, rannte Jasin zu seiner Mutter und holte schnell seine kleine Mütze. Sie war dunkelgrün, sehr dünn und eins der wenigen Dinge die er nach Neumarkt mitgebracht hatte.

Micha indessen rannte glücklich zu einigen Kinderinstrumenten, die die anderen Kinder hatten. Er griff nach Erichs Trommel. „Darf ich mal?“ Zuerst schaute Erich nicht glücklich und sogar skeptisch, aber dann gab er sie ihm doch bereitwillig.

Und in dem Moment als Jasin wieder heraus gerannt kam, schlug Micha auf die Trommel ein. Fest, zu fest. Er war ja auch ein Kind. Jasin hingegen kehrte um und rannte panisch zur Eingangstüre. Er bekam sie nicht auf. Dann rannte er zum geschlossenen Sandkasten und versteckte sich zitternd dahinter. Ganz klein machte er sich und legte sich die Hände an die Ohren. Tränen rannten über seine Wange und verschwanden im Schnee. Da kam diese Erinnerung. Alles war plötzlich so ohrenbetäubend laut, Mama packte ihn unsanft, fast grob an den Handgelenken und zog ihn hinter sich mit. Das Einzige was er danach noch wusste war, dass sie ihn getragen hatte. Sie hatte ihn unendlich lange getragen und jedes Mal wenn er zu Boden sah, wurden es immer weniger Menschen, die dort rot herum lagen, die tot waren und immer mehr Häuser waren wieder wie früher. Der Boden wechselte langsam seine Farben von rot auf braun. Der Himmel von grau- nebelig auf hellblau- klar.

Aber jetzt war es wieder da dieses Geräusch und Jasin wusste nicht wohin. Seine Mutter sah er nicht und er war entsetzt und erstarrt vor angst.

Als plötzlich eine kleine Hand sanft seinen Arm berührte. Unter Tränen sah er in das Gesicht der Person, ängstlich, dass sie so brüllte  wie zuhause  diese Männer mit der Flagge, die plötzlich da waren. Aber es war kein Mann mit einer Flagge. Es war Micha. „Komm Jasin. Ich bin da und du bist in Sicherheit. Ich habe nur mit der Trommel gespielt, bitte nicht angst haben“. Sanft zog Micha seinen kleinen Freund aus seinem Versteck und legte wieder schützend seinen Arm um Jasins Hals. Er ging mit dem kleinen Jungen zur Trommel. „Und jetzt trommeln wir gemeinsam“.

Und während der Schnee fiel und fiel und fiel, trommelten die beiden Jungen und spielten zum Tackt der Schneeflocken.

Im Sinne der Freundschaft und des Friedens für uns alle, ein frohes und besinnliches Weihnachten und einen guten Rutsch!

Pixabay

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