Wie es ist einen adoptierten Hund zu haben

Fiocchettas Geschichte

Im Jahr 2003, wurde eine Straßenhündin in Caserta von einer alten Dame mitgenommen. Diese Frau hatte bis zum Schluss 30 Hunde undam 30 Katzen, für die sie ihre Minirente ausgab. Ihr Haus war ein kompletter Hundehof, überall Hunde und Futter (normal gekochte Nudeln, weil sie sich das richtige Futter nicht leisten konnte) und Wassernäpfe. Die Hündin, nennen wir sie Kira, war trächtig und zwar mit Fiocchetta, die sie dort bekam. Fiocchetta war also immer in diesem Haus umzingelt von 29 anderen Hunden, die alle eher kleiner waren. Um ihre Ruhe zu haben, spazierte sie oft alleine durch das Dorf, weil sie von den kleineren Hunden scheinbar etwas abgenervt war (laut Bericht) und kam anschließend in einen überfülltes Tierheim. Die Besitzerin hatte persönliche Probleme und musste gehen, die Tiere wurden in Tierheime gebracht und verzweifelt versuchte man sie zu vermitteln. Ich glaube, dass leider ein einziges Tier noch unten ist. Und zwar Greta. Greta hat, sehr, sehr schlimme Dinge erlebt und ist sehr ängstlich, daher bräuchte sie jemanden, der sich gut mit Hunden auskennt… Die anderen 59 Tiere wurden allesamt vermittelt. Fiocchetta hatte es schwerer, weil sie bis zum Schluss schon vier Jahre alt war und viele Leute sind der Meinung, dass nur ein Welpe aus dem Tierheim erziehbar ist, dennoch haben wir uns sofort in ihr Foto verliebt, welches eine freiwillige Helferin, die dort aushalf, uns gab. Tatsächlich gab es am Anfang hier Probleme und es gibt immer noch Kleinere, aber wir arbeiten hart an uns fünf (Mama, Vater, Brüderchen, Fiocchetta und ich), damit wir es zusammen im Griff bekommen.

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Fiocchetta und Greta in Caserta (Fiocchetta links, Greta rechts). Leider weis ich nicht, ob Greta bis jetzt eine Familie gefunden hat; bis zum Schluss war sie die einzige Hündin dort unten.

Fiocchetta hier

Fiocchetta war anfangs ein sehr, sehr scheuer Hund – allerdings nie uns gegenüber. Schon am ersten Tag, machte sie nach ca. 15 Minuten ein kleines Geschäft im Garten und spazierte zurück ins Wohnzimmer, sah Mama und mich an und legte ihre Pfote auf mein Knie. Das ist sehr untypisch für einen gerade adoptierten Hund, wurde uns gesagt und tatsächlich hatten wir sofort eine enge Verbindung zueinander. Allerdings waren die Probleme beim Spazierengehen größer.

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Fiocchetta ist ziemlich wachsam und hat die Seele eines richtigen Jagdhundes. Manchmal etwas anspruchsvoll, aber umso selbständiger.
  • Fiocchetta hatte angst vor Hunden
  • Fiocchetta bellte Hunde und Menschen an und rannte auf sie zu und kurz vor ihnen zurück (was natürlich angst macht)
  • Fiocchetta kann nicht so typisch mit Stöckchen oder mit Plüschtieren spielen wie andere Tiere; sie hat das nie gelernt und will nicht mehr so richtig damit beginnen. Die Motivationen enden in einer Traurigkeit ^^
  • Fiocchetta ist sehr, sehr stur, weil sie viel auf sich selbst gestellt war und ein Jagdhund- Mix ist (dafür haben sie auch richtig gute Seiten)
  • Fiocchetta kommt nicht immer sofort wenn man sie ruft…sie ist da wie eine Katze „ich tu was ich will und wann ich will und wie ich will und der Rest: f*** u“
  • Fiocchetta bellt sehr viel und sehr laut

Diese Probleme lösen wir Schritt für Schritt auf. Die Angst vor Menschen ist gewichen in Neugierde (die manchmal zu peinlichem Po- Beschnupperungen fremder SpaziergängerInnen führt 😀 ) und in Liebesbedürftigkeit. Außerdem hat sie nicht mehr diese Angst vor andere Hunde, obwohl sie kleine Hunde immer noch nicht ausstehen kann. Sie macht einen seeehr groooßen Bogen, wenn sie kleine Hunde sieht. Fiocchettas Sturheit ist wohl das größte Hindernis, wenn sie etwas nicht will oder will, dann stellt sie sich quer wie ein Esel und veräppelt uns wenn es ihr was bringt. Ja, Hunde können Menschen veräppeln ^^  Aber sie hat sich stark gebessert.

  • Fiocchetta ist ruhiger geworden, ausgeglichener und gemütlicher
  • Fiocchetta vertraut mehr
  • Fiocchetta folgt mehr, trotz ihrer Sturheit
  • Fiocchetta kann problemlos auch mal einige Stunden alleine bleiben- vorausgesetzt man verabschiedet sich von ihr, sonst findet man den Schuh oder Stiefel im Bett aufgestellt (nicht angeknabbert).
  • Fiocchetta ist sehr familiär und hat manchmal richtige Mutterinstinkte bei Menschen- und bei Tierkindern (zum Glück bei meinen kleinen Cousinen)
  •  Fiocchetta lernt mit anderen Hunden zu Spielen ; langsam aber stetig
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Faulheit ist keine Tugend, aber herrlich!

Ich denke mir immer, dass Menschen, die einen Hund kaufen, weil sie denken, dass Tierheimhunde nur Probleme machen, einfach nicht verstehen, dass man gewillt sein muss, mit einem Tier zu arbeiten. Das ist exakt dasselbe wie bei Menschen. Wenn man Kinder bekommt will wird man doch auch mit ihnen arbeiten an deren Fehlern, an deren Benehmen und nicht nur die Sonnenseite sehen und bei Tieren sollte es auch so sein.

Tiere sind schließlich Lebewesen mit einer Geschichte und kein Konsumgut und je mehr man sich auf ein Tier einlässt umso besser wird die Geschichte, denn es werden aus zweien Eine und es werden aus getrennten Wegen ein Miteinander. Unsere Fiocchetta ist zwar nicht reinrassig oder schon mit „Bitte“ und „Danke“, wohlerzogen hergekommen, aber was sie mir gibt, ist mehr als ich je kaufen könnte…

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