Adoptiert zu sein bedeutet…

Ich schreibe hier aus sehr subjektiver Sicht und habe lange überlegt ob ich das überhaupt schreiben soll… Jeder adoptierte Mensch, macht einzigartige Erfahrungen. Gute sowie schlechte. Vieles hängt tatsächlich vom Wohnort ab. Kann abgeändert oder verlängert werden… Ich denke, dass es wichtig ist, dass man/ frau Einblicke bekommt von adoptierten Personen

…dass Mama fremden Leuten einen Caffé spendieren musste, die sonst nie grüßen

…als Kind von wildfremden Personen ausgefragt zu werden und als unhöflich abgestempelt zu werden, wenn man Angst hat.

…immer noch ausgefragt zu werden und beleidigt reagieren, wenn man abgenervt ist oder sich ernsthaft belästigt fühlt

…immer wieder zu hören, man solle doch dankbar dafür sein, dass man adoptiert geworden ist

…Sticheleien, Mobbing, Ausschluss und als beleidigte Leberwurst seitens der Lehrpersonen abgestempelt zu werden, weil man sich schämt, immer und immer wieder den Lehrern von dieser und jener Situation zu erzählen

…wegen typischer Kinderstreiche, durchgeführt mit Freunden, als wirkliches Problemkind dargestellt zu werden (Der Streich war: Türglocke läuten und weglaufen..Es war eine einzige Glocke)

….bedroht zu werden. Bus, Zug, Straße, aber sich schämen was zu sagen. Man will ja keine Dramaqueen sein, wegen der ständig Probleme entstehen

…öffentlich sehr heftig schikaniert zu werden

…“oh…können wir vielleicht trotzdem Freunde bleiben?…“

…vom Vater der Freundin gefragt zu werden ob man überhaupt weiß, was Speck ist und dass er ehrlich sein will; er mag keine Muslime (ich bin katholisch, nebenbei)

…meine Eltern abends in der Küche heimlich weinen hören, weil schon wieder was vorgefallen ist…

…weder normal noch in Dirndl es dem Dorf recht machen zu können beim Dorf Fest..

… grundsätzlich die Dumme in der Schule zu sein..

…als Einzige den Ausweis herzeigen müssen

…sich im Bett zu verkriechen, denn dort ist es warm und schön und niemand tut einem weh.

…immer mit dem Herkunftsland in Zusammenhang gebracht zu werden..

…immer doppelt bezahlen zu müssen (nicht finanz.)

…immer entsetzt, genervt, ängstlich, abweisend usw. beobachtet zu werden

…immer ausgelacht zu werden

…ignoriert zu werden..

…Anhängsel der Freundin zu sein

…dass jemand auf mich zeigt, während der andere lacht und sagt: „Psst, sei still, die merkt, das ja“ „Ach was, merkt die sicher nicht“

…keine Antwort auf Auskunftsfrage zu erhalten

…von Deutschen nur in Italienisch angesprochen zu werden und bei deutscher Antwort, weiter nur Italienisch oder in einem schneckentempo-deutsch sich zu unterhalten (sie versteht es sonst einfach nicht)

…immer wieder gefragt zu werden, wie viel ich für eine Stunde verlange und danach zu sagen…“achso..du schaust so asiatisch aus…, ich dachte du bist ne Hure“

…ein Mensch zweiter Klasse zu sein

…von der öst. Grenzpolizei wie Abschaum behandelt zu werden (Hauptgrund, dass ich nicht mehr in Innsbruck studiere)..

…irgendwann selbst Vorkommnisse bagatellisieren

…2015: gaaanz sicher ein Flüchtling zu sein, ein muslimischer noch dazu und sicher eine IS Sympathisantin, Kopftuch hat sie nur verloren…

…nur aus Dankbarkeit für’s Adoptiert sein, so nett bei den Flüchtlingen aushelfen

…“schau ein Inder oder sowas….das wär doch was für dich?!“

…Skandalqueen zu sein, auch wenn ich da immer zuhause oder nicht vor Ort bin und von meinen Eskapaden über den Freund, einer Freundin, eines Freundes erfahren darf (offenbar war ich schon 7 mal schwanger- mit 14 ^^. Wahrheit? Ich war noch nie schwanger. — Ich habe wild mit einem aus dem Nachbardorf geknutscht. Man hat mich gesehen und ich hatte die Haare sogar blond gefärbt! Wahrheit? Ich hatte nie gefärbte Haare, sondern immer schwarz  und der Rest erklärt sich somit von selbst) usw.

…immer zu kämpfen

…immer der Clown sein zu müssen, sexy geht offenbar nicht.

…über die Probleme der muslimischen Religion aufgeklärt zu werden (ich bin katholisch und ich denke, dass die Bibel auch nicht heilig ist..)

…als Erstes den Populismus spüren

…von Vorurteilen überschwemmt zu werden

…erklären zu müssen, warum man als adoptierter Mensch, mit deutschsprachigen Eltern, Deutsch als Muttersprache hat und nicht „irgendeine habalala Sprache“ (Die Leute meinen vermutlich Hindi damit..)

….“hast du auch einen Spitznamen?“

…nach Auschwitz verwünscht zu werden

…als Einzige im Kreis geduzt zu werden, während man/ frau das Sie erwartet

…“Indien? Da war ich/ eine Freundin/ ein Mensch den man über jemanden kennt mal“

…sich absolut staatenlos zu fühlen

 

Adoptiert zu sein bedeutet aber auch

…eine andere Geschichte zu haben

…zwangsweise einen größeren Tellerrand zu haben und sich nicht zu scheuen darüber hinaus zuschauen

…mehr Empathie als so manche „Landsleute“ zu besitzen

…schneller hinter die Fassade zu schauen

…daran zu Grunde gehen oder weiterleben..

 

 

 

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16 Gedanken zu “Adoptiert zu sein bedeutet…

    1. Südtirol ist halt einfach eher hinten gesellschaftlich. Nur weil ein Land Geld wie Mist hat, heißt das nicht, dass auch die allgemeine Sensibilität da ist. Leider. Aber wie man schon sagt, was einen nicht umbringt macht einen nur härter 🙂

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  1. Es ist immer schwierig anders zu sein. Auf der anderen Seite ist es genauso blöd normal zu sein.
    Ich wollte immer etwas besonderes sein. Hab dafür gekämpft und immer das Gegenteil gemacht, was die anderen machten. Dafür habe ich oft auch absichtlich angeeckt und bin dafür auch bestraft worden.
    Heute bin ich einfach das was ich bin. Ich glaub, dass man das lernen kann. Höre nicht auf die anderen, die sind nur neidisch. Je mehr Du Du bist, desto mehr Neidern werden erscheinen und so weniger wirst Du auf sie hören.

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    1. Hey, ich habe gerade gesehen, dass ich dir gar nicht geantwortet habe. Entschuldigung, dass muss ich übersehen haben. Du hast mir da einen sehr guten Ratschlag gegeben, der wirklich stark ist, allerdings ist die Umsetzung sehr schwierig in gewissen Situationen. Aber ich bin guter Dinge. Man wird irgendwann doch erwachsen, aber so können Leute die adoptieren wollen oder sonst alle Menschen, die wollen, sehen, wie das so aus der Sicht einer adoptierten Person ist. Dann ist jede Person anders, logisch und hat ihre eignen Erfahrungen.
      Danke nochmals und lG!

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  2. Ich weiß es nicht wirklich, aber ich denke mir, dass Adoption für alle Seiten Probleme mit sich bringt. Adoption ist nun mal nicht „normal“. Aber was ist schon „normal“?
    Per Definition ist normal was 2/3 aller Leute machen. Normal ist also 66!
    Das ist natürlich Blödsinn und sollte so behandelt werden.
    Es gilt ein Mensch zu sein und zwar einer mit Ecken und Kanten. Darauf kommt es an. Niemand muss 66 sein und ich find niemand sollte das erstreben. 😉
    Gruß SAC

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    1. Also da muss ich jetzt schon widersprechen…Ich glaube nicht, dass es für fremde Personen ein Problem sein sollte, wenn jemand seine Mutter nicht als biologische Mutter nennen kann..

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      1. Ich meinte eher die Seite die adoptiert, wie auch die Seite die adoptiert wird.
        Alle anderen haben sich da raus zu halten. Machen sie aber nicht. Jeder mischt sich ein. Liegt an der Natur des Menschen.
        Ok – sollte mich wohl an die eigene Nase packen. 😉

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      2. Achso, das meintest du ^^ Ja, es wird halt viel ausgenutzt von den Leuten im Dorf- besonders in den ersten Monaten… Meine Mutter musste massenweise Kaffé spendieren an Leute, die sie sonst nicht grüßen… Es war echt furchtbar für sie. Ich habe sie als Kind oft gefragt, warum sie so etwas überhaupt getan hat, aber sie hat immer gesagt, dass nicht jedes Kind auf typischen Wege zu seiner Familie kommt. Manche nehmen Umwege. Fand ich schön 🙂

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      3. Ich glaub da gibt es noch mehr Dinge die die Leute über Paare tratschen, die Kinder adoptiert haben. Mit der Zeit hab ich selbst so viele Miese Meinungen gehört – und das Thema „Ach guck mal – die können anscheinend keine eigene Kinder machen.“, ist da noch das freundlichste. Auch das Paar welches adoptiert entscheidet sich bewusst gegen das „Normale“ und es wird daher zwangsläufig über sie geredet.

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      4. Und eigentlich könnte man froh sein, wenn jemand adoptiert… Obwohl Adoptionen schon seit der Römerzeit an gemacht wurden und auch im Tierreich praktiziert werden (da fällt halt die Bürokratie weg ^^). Meine Eltern haben zwar durchwegs positives Feedback von den Leuten erhalten, aber das Benehmen und das gesprochene Wort, sind halt immer zwei Paar Schuhe.. Leider

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      5. Das wollte ich doch sagen. Wir Menschen reden nun mal und interessieren uns für Sachen, die uns eigentlich nichts angehen. Warum gibt es sonst Sendungen wie „DSDS“ oder „Hol mich hier raus“ oder „Bauer sucht Frau“. Der Mensch liebt die Erniedrigung von Fremden, damit er oder sie sieht, dass es anderen schlechter geht – dass andere dümmer sind.
        Das war schon so bei den Gladiatoren. Ich würde es als niedrigster Instinkt bezeichnen und es kotzt mich an. Warum kümmern sich die Leute nicht um zu helfen, sondern um sich an dem „vermeintlichen“ Elend andere zu ergötzen? Aus dem Grund sag ich immer wieder, denk nicht darüber nach, was andere sagen. Besser ist es seinen weg zu gehen und sich selbst immer ohne Scham im Spiegel zu sehen.

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      6. Ja, der Mensch ist wirklich kein ehrenwertes Wesen…Jedenfalls, sehr wenige davon. Ja, das mach ich auch 😀 Ich wollte eigentlich gar kein Blog eröffnen, aber da ich so gerne schreibe, hab ich’s dennoch getan… Meine Deutschlehrerin aus der Oberschule, würde aber reagieren ^^

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