#regrettingmotherhood und Schwangerschaftsabbruch: Warum ja

Erstens: ich bin keine Mami, nur um das klar zustellen.Wenn das nicht klar ist, kann der Artikel nur missverstanden werden. Zweitens: ich schreibe diesen Beitrag nicht um mich überglücklich einer Debatte anzuschließen. Ich schreibe ihn, weil er meine tiefste Empfindung zu diesem Thema ist.

Die Überschrift sagt alles.

Ich bin fest davon überzeugt, dass jede Frau sowie jeder Mann, das Recht hat, ihre Mutterschaft bzw. seine Vaterschaft zu bereuen ohne dass die Kinder nicht geliebt werden. Ich bin auch der festen Überzeugung, dass jede Frau das Recht hat, ihrer Schwangerschaft ein Ende zu setzen, auch wenn dies sehr schmerzlich ist- für beide Seiten.

Bereute Mutterschaft, Vaterschaft, Elternschaft #regretting

Als Frau kann ich nur sagen, dass das Mutter werden, sowas wie das Dessert der endenden Jugend ist- sowas wird einem zumindest verkauf. Es ist das Beste und Heiligste, das Reinste und Schönste was im Leben jeder Frau passieren sollte. Die Mutterschaft. Welche Frau will das nicht? Mami von zwei oder drei Kindern zu sein und ihnen beim Wachsen zuzusehen? Nun, eine Menge.

Ich glaube hier müssen wir zwischen zwei Typen von Frauen unterscheiden:

  1. Dem Typ Frau, der Kinder wollte, sie aber im Nachhinein bereut
  2. Dem Typ Frau, der nie Kinder wollte, sie aber aus gesellschaftlichen oder familiären oder sonstigen Gründen bekommt.

Ich glaube, dass sich viele Frauen eine Schwangerschaft und die anstehende Mutterschaft als zu schön und zu perfekt vorstellen. Die Sorgen, die Probleme, die Finanzen und die Freiheitseinschränkungen werden dabei übersehen. Frau redet sich das schön und übersieht die schmerzlichen Dinge. Viele Frauen unterdrücken dabei ihre Wünsche und ihre Bedürfnisse, weil sie denken, dass nur ein Kind ihr Leben perfekt machen kann. Der Typ Eins dieser Frau, verschwimmt sicher sehr stark und oft mit Typ Zwei dieser Frau. Die Frauen die Kinder bekommen, weil man es sich von ihnen erwartet. Dass viele Frauen Kinder bekommen hängt mit den gesellschaftlichen Erwartungen ab. Es hat religiöse, wie auch traditionelle Gründe. In der Bibel, wird die heilige Muttergottes als Mutter Jesu verehrt, in vielen Gesellschaftsstrukturen, bekommt eine Frau, wenn auch inoffiziell, erst eine volle Bedeutung, wenn sie Mutter wird. Man wird verehrt weil man Mutter ist und darauf reduziert. Dieses Weltbild der umsorgenden Mutter, die gütig, nett und fürsorglich ist, den Haushalt macht und dem Manne treu ergeben ist, ist meines Erachtens, so tief in unseren Köpfen und Wurzeln verankert, dass es schwer ist, dieses Denken wieder langsam zu neutralisieren und eine offenere Weltsicht zu haben.

Mit dem Bereuen der Mutterschaft, der Vaterschaft bzw. der Elternschaft an sich, wird ein Tabu gebrochen, dass laut „Die Zeit„, das letzte Tabu ist, das es noch zu brechen gibt. Start dieser Debatte ist Orna Donaths Buch „# Regretting Motherhood„, welches eine ganze Studie beherbergt.

41szqukjxkl-_sx312_bo1204203200_In Gesprächen mit meiner Familie aber auch Freunden, habe ich immer wieder feststellen müssen, wie teils sehr offene Menschen geschockt und fast schon entrüstet mich mit wilden Blick mustern. Eine Mutter, die ihre Mutterschaft bereut? Das ist noch schlimmer, wie wenn es der Vater ist, der seine Vaterschaft bereut! Sie ist ein Monster, einfach unmöglich, herzlos, kalt, eine Hexe! Eine Mutter hat ihre Kinder zu lieben ohne wenn und aber- nur, dass niemand daran zweifelt.

Ich glaube nicht, dass Mütter, die ihre Mutterschaft bereuen oder Väter die ihre Vaterschaft bereuen, ihre Kinder nicht lieben. Ich glaube, dass sie sicherlich lieben aber dass nicht alle Menschen sich nicht gewachsen sehen Kinder zu haben oder auch schlichtweg gar keine wollten.

Wenn ich an mir selbst denke, dann denke ich, dass ich auch zu den Kandidatinnen der #regrettingmotherhood gehören würde. Ich frage mich oft, wie es wäre Kinder zu haben und meine Nackenhaare stellen sich auf. Ich und Kinder? No way! Ich passe gerne hin und wieder auf Kinder auf und mag sie auch, aber Kinder zu haben, wäre ein furchtbarer Gedanke, auch wenn meine Mutti gerade einwirft, dass frau sich zu diesen Zeiten ja aussuchen kann wann sie schwanger wird. Aber ich würde mich so eingeschränkt fühlen, meine ganze Freiheit wäre im Eimer, mein Leben würde sich nur mehr um mein Kind drehen und selbst wenn sie erwachsen wären, dann würde ich wahrscheinlich als Omi enden und schon wieder Kinder im Nacken haben.

Während ich diese Zeilen schreibe, frage ich mich gerade wie schlimm man sein muss, sowas zu schreiben, sowas zu denken und doch tu‘ ich das. Ich denke das und ich stehe zu dieser Überzeugung, bei aller Kinderliebe. Wäre ich Mutter: ich würde das bereuen.

Natürlich ist diese Erkenntnis für die Kinder schwer nachvollziehbar und sie würden sich sicherlich eine Weile ungeliebt fühlen, was aber nicht heißt, dass dies der Fall ist. Frau kann ihre Mutterschaft bereuen und ihre Kinder zugleich über alles lieben. Und das gilt es zu vermitteln.

Der Schwangerschaftsabbruch

Der Schwangerschaftsabbruch einer Frau ist ein sehr sensibles Thema, wo ich gerne auf einen Beitrag verweisen möchte, den Sphilo geschrieben hat: „Tabuthema„. Es ist ihre Art mit ihrem Schwangerschaftsabbruch umzugehen. Eine Frau, die einen Schwangerschaftsabbruch macht, ist kein Monster, noch eine Egoistin. Natürlich gibt es immer diese Frauen, denen das nichts ausmacht und die am laufenden Band Abtreibungen vornehmen könnten ohne je eine Gefühlsregung zu empfinden. Das ist aber bei der Majorität anders. Es wird ziemlich selten gefragt warum eine Frau abtreibt, verständlich, weil es darum geht, dass ein kleines Leben genommen wird. Dass eine Seele ihr Dasein nicht genießen können wird und das stimmt die meisten Menschen sehr traurig.

Allerdings ist jeder Fall, jede Schwangerschaft individuell. Nicht alle Frauen werden aus Liebe schwanger- aber viele beenden sie aus Liebe zu ihrem Kind. Was grotesk bis unverständlich klingt, ist Realität. Viele Frauen sehen dies als einzigen Ausweg, ihr Kind aus einer lieblosen Welt zu befreien, viele Frauen überkommt Panik, alleine einem Kind und einer Mutterschaft gegenüber zu stehen- viele Frauen können schlichtweg einfach nicht. pills-347609_960_720Natürlich kann man jetzt mit Adoption, Mutterhilfe, etc. argumentieren, aber all diese Entscheidungen sind wiederum sehr komplex. Es ist ein Gefühlscocktail dem sich die Frauen oder auch die Eltern gegenüber sehen, der sie überrollt und überragt und dem sie nicht gewachsen sind. Es sind finanzielle Sorgen und Nöte, gesundheitliche Probleme, das soziale Umfeld, das Alter, dass sie zu dieser Entscheidung antreibt und ich glaube, dass Außenstehende sich nicht anmaßen dürfen hier zu werten.

Wer sie getroffen hat, hat eine Entscheidung getroffen, die das Leben beeinflusst und die einem immer wieder einholt- bis zum Tod. Treibt man nicht ab, könnte es sein, dass man die Mutterschaft bereut, gibt man das Kind zur Adoption frei verliert man es und riskiert abgelehnt zu werden bei einer erneuten Kontaktaufnahme. Treibt man aber ab, dann wird sich die Frau immer fragen: „was wäre wenn?“ Was wäre, wenn man das Kind in den Armen halten könnte? Wie würde es riechen? Wie würde es sich entwickeln? Wem würde es ähneln? Was wäre sein Lieblingsessen?

Ich möchte mit diesem Beitrag nicht sagen, wer was zu tun hat, sondern meine Toleranz für die Abtreibung und für das Bereuen der Mutterschaft zeigen, auch wenn beide Themen sehr schwer und z.T. tragisch sind. Beide Themen sind hochkompliziert und nicht einfach aus Sicht eines religiösen Instituts oder aus den gesellschaftlichen Regeln erklärbar.

Meine Mutter und ich diskutieren während ich hier das schreibe und sie versucht es zu verstehen, sieht es aber als sehr starken Egoismus, wenn man keine Kinder will und auf nichts verzichten möchte. Das gilt für Abtreibung sowohl wie für bereute Elternschaft, obwohl sie im selben Zug sagt, dass jede/r sein eigenes Leben führe und sie nicht eingreifen könne. In ihren Augen sind immer die Kinder die Leidtragenden was auch stimmt. Allerdings: leiden meistens zwei Seiten. Es ist sehr interessant, wie sie das sieht. Sie tut sich ziemlich schwer das ernsthaft zu akzeptieren. Aber wer weis? Vielleicht denke ich in 10 Jahren anders?

Es ist ein Diskurs, der nur VerliererInnen kennt und doch ist er wichtig, da so immer mehr Frauen ermutigt werden, ihren eigenen Lebensweg zu gehen ohne sich gezwungen zu fühlen, Kinder in die Welt setzen zu müssen und notfalls einen Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen aber auch sich nicht davor scheuen sich helfen zu lassen, das Kind zur Adoption frei zu geben oder sonstige Maßnahmen zu ergreifen.

 

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6 Gedanken zu “#regrettingmotherhood und Schwangerschaftsabbruch: Warum ja

  1. Hey Sadi,

    ich bin gerade auf deinen Blogeintrag zum Thema #regrettingmotherhood gestoßen und finde, du hast die Problematik wirklich sehr gut aufgegriffen. Nachdem das Buch von Orna Donath erschienen ist, habe ich mich auch selbst mehr mit der Thematik beschäftigt und bin der selben Ansicht wie du, dass man niemanden dafür verurteilen sollte, dass er seine Mutter- oder Vaterschaft bereut. Ich selbst bin (wie du) auch keine Mutter und mir geht es wie dir: Ich kann es mir auch im Moment absolut nicht vorstellen.
    Vielleicht interessiert dich ja Jemima Kirke, sie ist eine Künstlerin und Schauspielerin in New York und hat es sich zur Aufgabe gemacht offen über das Thema Schwangerschaftsabbruch zu reden (was ja immer noch ein Tabuthema, vor allem in den USA ist). Ich finde sie sehr interessant, vielleicht geht es dir ja genauso..

    Liebe Grüße,

    Grossstadtpoesie

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    1. Hallo 🙂
      Herzlich Willkommen auf der Seite und danke für deine nette Antwort!
      Also ja, ich habe das früher etwas Anders gesehen, ich war da sehr gegen Abtreibung und ich könnte es auch in Zukunft nicht, allerdings finde ich es vermessen, dass den Frauen vorgeschrieben wird, nicht abzutreiben und überglückliche Mami zu sein. Ich kann mir auch vorstellen, dass gewisse Länder da sehr viel konservativer und aggressiver reagieren, allerdings gehört das auch zu den Menschenrechten. Frau kann mit ihrem Körper tun was sie will- was ich allerdings verstehen kann, ist dass man nach einem gewissen Monat nicht mehr abtreiben darf, denn das sollte man sofort tun und ich glaube, dass Elternschaft nur bereut werden kann, wenn sie durch gewisse Faktoren erzwungen worden ist. Leider kenne ich Kirke nicht, muss aber mal anschauen. Ich danke dir sehr für deinen netten Kommentar!
      Alles Liebe,
      Stella

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  2. Puuh schwieriges Thema. Sehe es aber ehrlich gesagt ziemlich anders. Das man seine Mutterschaft mal bereut, den Gedanken hat sicherlich jede Mutter mal, aber dann kommt das Kind wieder an sagt: ich liebe dich Mami, und der Gedanke ist weg. Die Liebe einer Mutter ist einfach unbeschreiblich. Das habe ich erst an dem Geburtstag meiner Tochter begriffen. Nicht mal die Liebe zum Partner ist nur ansatzweise so stark.
    Und Abtreibung ist und bleibt für mich Mord. Dieses Recht am eigenen Körper, dass die Frau angeblich hat. Hallo, wer fragt nach dem Recht am eigenen Körper, wenn dem Baby bei der Abtreibung Arme und Beine ausgerissen werden?
    Früher dachte ich noch eine Abtreibung nach einer Vergewaltigung wäre in Ordnung. Aber dann habe ich eine Frau kennengelernt, die durch Vergewaltigung schwanger geworden ist. Sie hat mal zu mir gesagt:
    „Es gibt tausend Gründe ein Kind nicht zu bekommen, aber es es gibt keinen Einzigen ein Kind zu töten.“

    Besonders auch die Argumente, dass Kind vor einer schlechten Welt, Armut oder der Überforderung der Eltern usw. bewahren zu wollen. Nichts ist wohl schlechter als der Tod. Nur leider haben diese Kinder keine Lobby. Können noch nicht um Hilfe schreien.

    Ein Vater, der seine Kinder und anschliessend sich selbst umbringt, der kommt gross in die Nachrichten. Wollte er doch nur seine Kinder vor xyz schützen. Da wird ein grosser Aufschrei gemacht. „Was für ein Psychopath.“

    Eine Frau, die einfach nur weil sie keine Lust auf ein Kind hat und meint ihr Bauch gehört ihr, einen Menschen abtreibt. Das kommt nicht in der Tagesschau.

    Und folgenden Spruch fand ich auch ganz passend: „I have noticed, that everone who is for abortion is already born.“ Ronald Reagan.
    Ich wünschte, man könnte all die abgetriebenen Kinder mal fragen, was sie davon halten.

    Das ist meine Meinung, für die ich hoffentlich nicht gesteinigt werde.

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    1. Hallo liebe Judith,
      ich habe deinen Kommentar ziemlich aufschlussreich gefunden, allerdings möchte ich etwas zum letzten Satz sagen. Er ist, wenn ich das so sagen darf, schon etwas bissig.
      Ich bin ein sehr offener Mensch, der auch gerne die Meinungen von Anderen hört und finde daher solche bissigen Bemerkungen unangebracht- sonst hätte ich ja nie das Thema hier angeschnitten. Niemand wird hier gesteinigt.
      Zum Kommentar bezüglich der Abtreibung. Ja, ich gebe dir wirklich recht, es ist und bleibt Mord, wenn man es jetzt klipp und klar sagen möchte. Ich persönlich denke auch nicht, dass ich das tun könnte, denn ich sehe das mit dem Abbruch auch ziemlich kritisch (wenn ich die potentielle Mama wäre)- allerdings, kenne ich auch nicht die Lebensumstände anderer Personen, was zwar nichts an der Tatsache ändert, dass es Mord ist, sehr wohl aber daran, dass ich mich hier etwas zurück halten möchte. Es gibt Frauen, die durch die Hölle gegangen sind und daher schwanger geworden sind und es so sehen, wie die Frau mit der du gesprochen hast. Das finde ich sehr stark und schön- allerdings, gibt es auch Frauen, die einfach nicht können. Ich stelle mir dann vor, dass diese Frauen neun Monate lange ein Lebewesen in ihren Körpern haben, die sie jede Minute an diese Hölle erinnert, wenn wir das Romantische weglassen. Leider haben diese Frauen keine schöne Schwangerschaft. Sie haben neun Monate lang, non- stop die Hölle im Kopf und wenn sie dann auch noch aus schlechteren Verhältnissen kommen, addieren sich die restlichen Probleme dazu. Wenn das Kind dann da ist, mache ich mir schon Sorgen darum. Nicht alle geben es zur Adoption frei, manche halten es aus bis es sechzehn ist, manche, leider, wählen schlimmere Wege- weil die Gesellschaft sie zu etwas zwingt. Es ist nicht so, dass für alle Frauen Hilfe da wäre, klar, theoretisch ist das der Fall, aber praktisch sieht die Sache leider ganz anders aus (von den bürokratischen Hürden mal ganz abgesehen) und daher möchte ich persönlich mich nicht anmaßen, jemanden per Gesetz zu zwingen das Kind auszutragen. Natürlich kann das arme kleine Menschlein nichts dafür und ich habe schon einige Videos gesehen, wie das funktioniert. Es ist grausam und ich persönlich, würde daher nicht abtreiben- auch wenn ich einen sehr großen Preis zahlen müsste. Was ich hierbei noch sehe ist, dass es bei diesem Thema eigentlich nur Verlierer gibt. Das Kind, dass halt auf die Welt kommt und wenn es Glück hat, eine Mutter hat, die damit leben möchte und eine überforderte, abgenervte Mutter, die manchmal erst sechzehn ist oder auf der anderen Seite, eine Frau, die ein Leben zerstört, um ihres irgendwie selbst im Griff zu behalten. Das Kind fühlt sich ungeliebt und wird es immer schwerer mit der Mutter haben. So und so ist das Thema sehr schwer und ich finde es sehr wünschenswert und begrüßenswert, wenn eine Frau das Kind zu Welt bringen will- und kann. Aber „weil sie keine Lust hat“, ist leider nicht so oft der Fall. Tragischerweise sieht die Situation dahinter manchmal wirklich schlimm aus.
      Zum Thema #regrettingmotherhood. Das sehe ich natürlich vollkommen anders, als du und z.B. meine Mutter, weil ich selbst keine bin und auch nie eine sein möchte. Vielleicht würde ich meinen Blickwinkel ändern, wäre ich eine Mutter. Aber ich persönlich, möchte erstens einen Beruf wählen, der gar nichts mit Kinder zu tun hat und bei dem man vielleicht besser keine Familie gründet und zweitens denke ich mir, dass eben viele Frauen durch gesellschaftlichen Druck gezwungen wurden Mutter zu werden. ich denke auch, dass der gesellschaftliche Druck früher viel, viel höher war als heute und das viele Frauen auch keine „Mamas“ sind.
      Hier allerdings ist das nur meine subjektive Meinung, die sich wahrscheinlich in ein paar Jahren (auch wenn ich keine Kinder habe) ändern kann. Das Thema ist aber wirklich schwierig und daher bin ich froh, auch eine ganz andere Sichtweise als Kommentar zu haben. Sich gegenseitig bestätigen bringt uns auch Dauer ja nicht weiter.
      Alles Liebe

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      1. tolle offene Antwort. Das mit dem gesteinigt habe ich geschrieben, weil ich schon mal einen Shitstorm erlebt habe. Aber ja du fragst ja sehr offen nach der Meinung und das ist halt meine subjektive Meinung.

        Ich finde auch nicht, das jemand für ne Abtreibung solange ins Gefängnis sollte, wie für einen Mord. Gerade nicht nach einer Vergewaltigung. Aber es sollte einfach viel mehr Aufgeklärt werden z.B. über die Folgen usw. Ich habe übrigens auch mal bei youtube eine Reportage gesehen, da wurden Frauen die schwanger geworden sind von einer Vergewaltigung und abgetrieben haben, oder nicht abgetrieben haben und Frauen, die aus einer Vergewaltigung entstanden sind interviewt. Interessant war nämlich dass es gar nicht so ist wie immer angenommen. Die Frauen die das Kind ausgetragen haben, sind nicht durch die Hölle gegangen. Sicherlich hatten sie keine leichte Schwangerschaft usw. aber alle haben gesagt das Kind hat ihnen Hoffnung gegeben und so konnte sie der Situation noch was gutes abgewinnen. Die Frauen die abgetrieben haben, haben gesagt zu dem schrecklichen Erlebnis der Vergewaltigung kam dann auch noch die Schuldgefühle der Abtreibung und diese Schuldgefühle haben sie jeden Tag an die Vergewaltigung erinnert. es war also eine doppelte Strafe. Die Kinder die ausgetragen wurden, hatten teilweise ein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter teilweise auch nicht, weil sie z.b. zur Adoption gegeben wurden. Aber alle waren ihren Müttern dankbar, dass sie sich gegen eine Abtreibung entschieden hat. Keine hat gesagt, mein Leben war so scheisse, ich hätte lieber nicht gelebt. Selbst die, die unter echt schlimmen Bedingungen aufgewachsen sind.
        Daher auch meine Aussage, kein schlimmes Leben ist so schlimm wie der Tod.

        Und das meine ich auch mit Aufklärung die meisten denken, ähnlich wie du und erwarten, dass alle Frauen und die Kinder dann unter der Vergewaltigung leiden und wenn sie abtreiben, dass irgendwie vergessen können. Aber das ist eben nicht der Fall zumindest nicht bei den interviewten Personen.

        Das Thema „keine Lust“ möchte ich nochmal aufgreifen weil faktisch nur 0,02% der Abtreibungen gehen auf eine Vergewaltigung zurück. Die meisten sind, weil das Baby jetzt grad nicht passt, die Frau Karriere machen will usw. und sorry, aber das fasse ich mal unter keine Lust zusammen.

        Und nochmal zum Thema regrettingmotherhood. Natürlich bin ich auch wie du dagegen, dass eine Frau gezwungen wird Kinder zu kriegen oder so ein gesellschaftlicher Druck dazu aufgebaut wird. Es gibt einige wenige Frauen, die keine Kinder wollen. Das ist auch in Ordnung. Auch wenn ich das z.B. gar nicht nachvollziehen kann. Die meisten Frauen wollen ja auch gerne Kinder, weil ich persönlcih auch glaube, dass das so in Frauen drin ist. Bei manchen kommt die erkenntnis vielleicht ein bisschen später.
        Viele haben auch einfach Angst. Und ich finde genauso schlecht, wie Frauen dazu zu zwingen Kinder kriegen zu wollen, genauso wenig darf sie das aber auch so schlecht machen. Gerade läuft in unser Gesellschaft eher so ein Trend nach „Muttersein ist uncool. Komplett zu Hause bleiben für die Kinder, ist voll konservativ und eigentlich kriegst du besser keine Kinder, weil Verantwortung und keine Kohle und so.“
        Und diesen Trend finde ich auch nicht gut. Der macht Frauen Angst sich auf diese tolle Abenteuer einzulassen. Und das schönst und tollste zu erleben und zu leisten, das man nun mal im Leben erleben und leisten kann, wie ich finde. Also ich bereue nichts :).

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      2. Also das mit der gefühlten doppelten Strafe und dem guten Verhältnis zwischen Mütter und Kinder, ist natürlich eine Möglichkeit, die in Betracht gezogen werden muss. Es freut mich natürlich sehr, wenn Frauen und Kinder (und manchmal auch die Lebensgefährt*innen) sich ein Familienleben aufbauen. Es ist aber auch zu sagen, dass das diese Personen sind, die bei dem Film bzw. der Doku freiwillig mitgemacht haben und die eher zu denen gehören, die damit wahrscheinlich am besten arbeiten können. Aber ich erwarte mir nicht, dass alle Frauen und Kinder leiden und dass sie es irgendwie vergessen können, durch eine Abtreibung. Das habe ich in keinem Wort geschrieben. Ich habe geschrieben, dass das vielen so passieren wird und dass ich persönlich, diesen Frauen eine Abtreibung sicher nicht verwehren möchte. Das mit „keine Lust“ würde ICH persönlich schon eher sehr, sehr vorsichtig sagen, denn die 0,02% sind nur offizielle statistische Werte, wie die Dunkelziffern aussehen ist eine andere Geschichte und nicht jede Abtreibung, muss aus dem Grund einer Vergewaltigung oder „keiner Lust“ entstehen, da gibt es schon mehr Gründe. Natürlich gibt es diese Frauen, die „keine Lust“ auf ein Kind haben, aber ich denke nicht, dass das die überwältigende Mehrheit ist. Eher geben viele das an, weil sie sich schämen die Wahrheit zu sagen, wie Armut, usw. Lust und Zeit ein Kind zu bekommen, haben viele Frauen sowieso nicht. Mir kommt es immer vor, dass ein Kind kommt, wenn es kommt und die, die es planen, brauchen oft sogar noch länger bis es kommt. Ich mache das Muttersein im Übrigen auch nicht schlecht, wer das mag, bitte sehr, gerne und schön und es freut mich, weil ich weiß, dass viele darin aufgehen, aber es gibt z.B. gewisse Berufe und Lebensentscheidungen, bei denen Kinder kriegen ziemlich verantwortungslos wäre. Die Erfahrung, dass Muttersein für uncool gehalten wird, habe ich persönlich eher nicht. Ganz im Gegenteil. Meine Erfahrung ist, dass so ziemlich jede Freundin von mir, Kinder haben will, nur halt „erst“ ab 30. Also das Gegenteil ist eher der Fall. Kinder ja, unbedingt, etwas später. In meinen Freundeskreisen bin ich die einzige, die kinderlos überleben würde. Alle wollen sie Kinder (Wir sind alle ca. 22+) Was mich persönlich auch sehr, sehr stört ist aber die Erwartung, dass man halt trotzdem als Frau Kinder haben sollte und in erster Linie Muttersein als Ziel haben sollte und das macht mich wahnsinnig. Ich schaue zwar im Sommer auf zwei goldige Buben und das schon seit Jahren, aber ich bin lieber eine (vielleicht mal) Tante oder Patin als eine Mutter. Aber es ist schön, wenn eine Frau nichts bereut und es toll findet Mutter zu sein, denke nämlich, dass nicht alle Frauen geborene Mütter sind, so wie nicht alle Männer, geborene Väter sind. LG

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