Internationaler Tag der Pressefreiheit

Jetzt bin ich ziemlich spät dran mit meinem Beitrag über die Pressefreiheit, aber er kommt trotzdem noch online. Also, zuerst: alles Gute zum Internationalen Tag der Pressefreiheit. Alles erdenkliche Gute. Ernsthaft. 

Momentan verschlimmert sich die Situation der Pressefreiheit dramatisch. Gerade habe ich meine Karte der weltweiten Pressefreiheit  aufgehängt und mit der Alten verglichen. Es ist eine sehr bedenkliche Entwicklung. Gerade im Abendland.

Besonders die Ostländer haben sich verschlechtert, aber auch Länder wie Frankreich, die sonst #CharlieHebdo  mit Inbrunst verteidigen (was ich absolut richtig finde), stehen nicht mehr so gut da. Fazit: „Zufriedenstellende Lage“. Gelb, nicht weiß, nicht „gute Situation“.

Ein Zitat aus dem Artikel der Reporter ohne Grenzen hat mich aufhorchen lassen. Dass es in Syrien und Eritrea ziemlich schlecht aussieht, weiß eh jeder, dass reihenweise Jouralisten überall ihr Leben lassen, damit wir ein bisschen was lesen können und ein dramatisches Bild haben. Wir sind uns der knochenharten Arbeit dahinter nicht wirklich bewusst, noch schätzen wir sie so wie es ihr gebühren würdeAber wenn wir die Kirche im Dorf lassen und uns unsere eigene Situation anschauen, dann müssten wir auch entsetzt sein.

Auf ihrer Homepage hat ROG diesen Satz in ihrem Beitrag erwähnt und den sollte man lesen, gelb anstreichen und sich mal damit auseinander setzen.

Immer öfter werden auch Journalisten, die über Proteste berichten, zur Zielscheibe der Gewalt von Polizei oder Demonstranten.  (Reporter ohne Grenzen; 03.05.2016)

Erst neulich habe ich dazu einen Online Artikel gelesen, indem Journalisten verhaftet worden sind. Einer hat einen Kreislaufzusammenbruch bekommen. Die anderen sind elf Stunden in Gewahrsam genommen worden und das obwohl sie sich als Journalisten ausweisen konnten. Und das mitten in Stuttgart.

Das Vergehen:

Die Vorwürfe gegen die Kollegen seien lächerlich. Ihnen werde „ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr“ zur Last gelegt, weil sie an einem von Demonstranten blockierten Abschnitt der Zufahrt zum Messegelände ihrer Arbeit nachgegangen seien. Das Vorgehen der Beamten sei „skandalös und wird Konsequenzen haben“, kündigte die dju-Bundesgeschäftsführerin Cornelia Haß an. Man prüfe nun ein rechtliches Vorgehen gegen die Polizei und gewähre den Mitgliedern in solchen Fällen Rechtsschutz. (SWR.de, 03.05.2016)

Schilderung der Polizei: 

die Personen seien Teil einer Gruppe gewesen, die die Autobahn blockiert und dort Autoreifen angezündet hätte. Sie hätten aus der Gruppe und nahe bei der Gruppe Fotos gemacht und hätten sich nicht entfernt, als sie dazu aufgefordert wurden. Man müsse bei gewalttätigen Demonstrationen „auch als Journalist damit rechnen, von Einsatzkräften festgesetzt zu werden“. (SWR.de, 03.05.2016)

Der Richter lehnte die Beschwerde eines Journalisten ab, weil er als Journalist auch „Teil der unfriedlichen Versammlung“ gewesen sei.

Diese Vorwürfe seitens der Polizei und des Richters sind nicht nur lächerlich sondern ziemlich bedenklich. Noch bedenklicher sind die Kommentare unter dem Artikel. Die Kommentierenden scheinen sich zu freuen, dass das passiert ist oder es ist ihnen egal. Der Richter wird gelobt und zugleich sind das diese Menschen, die Jan Böhmermann in vorderster Front verteidigen. Es sind die Leute, die sich die Pressefreiheit so zurecht drücken, dass sie nur dann gilt, wenn sie gegen Flüchtlinge, Erdogan, etc. geht. Das ist nicht das Prinzip von Pressefreiheit und wird ihr nur gefährlich und sonst nichts. Pressefreiheit soll immer gelten und wenn wir soweit sind, dass Journalisten bei einem Protest mitten in Europa festgenommen werden und ihnen solche lächerliche Dinge als Ausrede unterstellt werden, dann frage ich mich schon, wo sie denn bei uns geblieben ist, die gute Pressefreiheit.

Wie soll denn bitte ein Journalist oder eine Journalistin seinem/ ihrem Beruf nachgehen und dokumentieren, wenn er/ sie dafür verhaftet wird? Gerade bei uns, wo die Pressefreiheit so hochgehoben wird?

Ich werde sie nun suchen gehen, die liebe Pressefreiheit, im Reich meiner (Alp)träume. Vielleicht finde ich sie ja in Syrien oder der guten alten Zeit und dann versuche ich sie, wieder in die Gegenwart zu locken. Ins christliche Abendland zurück.

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2 Gedanken zu “Internationaler Tag der Pressefreiheit

  1. Ich habe auch den Eindruck, dass Pressefreiheit de facto nicht mehr existiert und wenn, dann wird auch alles verdreht und gerichtet wie man es grade braucht. Fakten werden zu Lügen gemacht, wenn man gebildet ist und qualitativ hochwertige Zeitungen liest ist man ein Elite-snob und jedes Grossmaul am Stammtisch hat auf einmal mehr Gewicht und Wissen als langjährige Reporter und Experten… Traurig und sehr gefährlich…

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    1. Ja das stimmt. Gewisse Zeitungen werden komplett als „gelenkt“ angegeben, obwohl sie Qualitätsjournalismus haben und jeder weiß es besser- besonders die, die keine Ahnung haben. Auch wenn die Zeitungen auch nur von Menschen geschrieben werden und sie daher nie völlig objektiv und fehlerfrei sein werden, so haben sich diese Leute doch auf ihrem Beruf spezialisiert. Einem Arzt wird seine Kenntnis ja auch nicht abgesprochen.

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