Warum der Flughafen Bozen problematisch für das Unterland wäre

Seit nun langer Zeit spaltet das Thema „Flughafen Bozen“ die Meinung der südtiroler Bevölkerung. Während sich viele für ein „Ja“ aussprechen, wäre das „Ja“ die absolute Katastrophe für die Anderen. Natürlich, der Flughafen Bozen könnte ein „Schlüssel“ zur Welt sein, allerdings sehen selbst Flugexperten den Flughafen als unnütz und unsicher. Er sei zu klein und aufgrund seiner Lage ein Sicherheitsrisiko.

Kosten

Der Ausbau des Flughafens würde uns, laut der „Nein- No“ Informationsbroschüre (Contra-FLUGder Provinz, „nur“ 200 Millionen kosten. 5 Euro pro Bürger, das ginge für das Volk. Wenn wir aber die Gesamtkosten des Flughafens seit 1999 bis 2014 anschauen, dann frage ich mich schon für was die bis dato ausgegebenen 120.225.869 € verwendet wurden (Gesamtkosten) und ob das dann nicht etwa gleich dahin plätschert wie bisher, denn das ist meine große Sorge. Das Projekt wirkt auf mich wie ein einziger großer Geldfresser und entzieht sich meiner Logik komplett- zumal selbst, wie vorher erwähnt, Experten darin ein Sicherheitsrisiko sehen und davor warnen. Diese Warnung wäre trotz aller „Ja“ Argumente doch ein wichtiger Punkt.

Umwelt

Von der Umweltverschmutzung durch Abgase und der Lärmverschmutzung zwar ganz zu schweigen, dennoch möchte ich hier auch einhaken. Ein Land wie Südtirol, dass sich mit seinen Bergen und seiner Natur so brüstet, würde durch den Lärm und durch den Kerosingestank das gesamte Unterlandler Panorama zerstören (und nicht nur das). Wer will denn schon bitte in einem Ort Urlaub machen wo immer wieder Flugzeuge im Tiefflug über den eigenen Kopf hinweg donnern?

Leserbriefe und Verkehrsmittel

In den Lokalzeitungen stöbere ich nun immer die Leserbriefe bezüglich dieses Flughafens durch und habe etwas bemerkt: Es sind komischerweise fast nur „Ja“ (PRO-FLUG) Leserbriefe veröffentlicht. Ich gehe daher davon aus, dass sich die Unterlandler*innen gar nicht für ihre Zukunft interessieren oder dass diese Leserbriefe irgendwie untergehen oder einfach nicht veröffentlicht werden. Es mag schon sein, dass er für viele Hoteliers und Wirte im übrigen Südtirol  als sinnvolle Investition erscheint und dass sie daher mit „Ja“ abstimmen, allerdings tragen sie nicht die Konsequenzen des Flughafens. Die Konsequenzen tragen die Unterlandler*innen, die Überetscher*innen und die Bozner Bevölkerung alleine.

Südtirol hält an diesen Flughafen fest, besonders, weil sich die Personen weltoffener und freier fühlen und weil das Gelände dann endlich genutzt wird. Das geht aus den meisten Leserbriefen hervor, die ich durchgelesen habe. Wir selbst leben, nur als Information aber, zwischen zwei Flughäfen und nicht nur neben einem. Verona und Innsbruck. Beide Flughäfen sind wirklich gut und problemlos erreichbar und auch wenn wir uns vielleicht autonomer fühlen, so denke ich nicht, dass dieser Flughafen wirklich Sinn macht, wenn sogar Flughäfen wie der am Wörtersee geschlossen werden, da sie einfach nicht rentabel sind. Zur Erinnerung: der Wörtersee ist ein wahrer Touristenmagnet. Südtirol geht sicher nicht unter. Das Land hat einen starken Tourismus- dank der Natur. Von Natur und Umwelt her gesehen, würden wir uns mit dem Flughafen selbst in den Finger schneiden. Wer gerne nach Oslo, Stockholm, Madrid und anderen Orten fahren möchte und wer gerne zu uns kommen möchte, hat absolut keine Probleme damit. Um hier ein Problem zu finden, muss man schon sehr stark suchen. Wir haben es bisher noch überall hin geschafft. Südtirol hat ein ausgezeichnetes öffentliches Verkehrsnetz, das noch ausbaufähig ist. Es wäre doch sinnvoller an dem weiter zu arbeiten anstatt so ein Millionenprojekt auf die Beine zu stellen und ich vermute, dass sich nicht alle bewusst sind, dass ein Flughafen ein wirklich großes Projekt ist, das Unmengen Geld braucht- und das nicht nur für einige Jahre. Die Linienflüge nach Mailand und nach München braucht es nicht wirklich- dafür gäbe es Züge. Anstatt also Nachtzüge (z.B. nach Rom) zu streichen oder andere wichtige Zugverbindungen, könnte man genau dort ansetzen und mehr investieren. Man muss das Rad nicht immer neu erfinden.

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Quelle: umwelt.bz.it

Flughafengelände und Tradition

Zum Thema Flughafengelände, das nicht gebraucht wird. Ein Flughafengelände kann man auch umbauen. Es muss kein Palast werden, aber dem Land würden sicher einige wichtige Einrichtungen einfallen, für die es größeren Platz bedarf. In der Broschüre habe ich beim „Ja“ den Titel: „Geschichte des Flughafens Bozen“ gelesen. Also wer bei einem Flughafen, der nie wirklich in Betrieb war und niemanden was bringt mit Tradition ankommt, den verstehe ich einfach nicht. Manchmal wäre es schon gut, von kleinen „Traditionen“ wegzukommen, denn nicht immer bringt es verbissen über Jahre an etwas fest zuhalten, das einfach nicht funktioniert. Nur weil er seit 1926 existiert heißt das nicht, dass er von Südtirol nicht mehr wegzudenken sei und ich frage mich im Übrigen, wie die 170.000 gewünschten, jährlichen Passagiere bis 2022 erreicht werden sollen. Die Tickets wären doch viel zu teuer. Nie und nimmer werden ca. 465 Passagiere pro Tag den Flughafen verwenden und wenn, dann müssten die viel bezahlen- denn 465 +/- ist eine kleine Zahl, gemessen am Aufwand.

Der Flughafen wäre für das Unterland und seinem Tourismus eine absolute Katastrophe, laut, dreckig, teuer, nur damit mit öffentlichen Geldern weiter herumgeworfen werden kann.

Und die Gretchenfrage ist doch immer dieselbe: „Wem bringt so ein Flughafen wirklich etwas?!“

Die modernen Verallgemeinerer*innen

Mit Entsetzen habe ich auf der Facebookseite von unserer Grünen- Politikerin Brigitte Foppa einen Screenshot gesehen, den sie veröffentlichte.

Es ging dabei um ihr und darum, dass sie eine Flughafengegnerin ist.

Das war die Reaktion der Wirtschaftszeitung darauf:

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Die Wirtschaftszeitung übt sich ziemlich schnell und auf ziemlich niederen Niveau in Sexismus wenn Frau Brigitte Foppa eine andere Meinung hat als gewünscht. (S.7)

Da frag ich mich wirklich was das soll, eine Frau so dermaßen anzugehen, weil sie eine andere Meinung hat. Ich weiß nicht wirklich was ich von so etwas halten soll, weil ich ziemlich entsetzt bin, dass sowas in einer offiziellen Wirtschaftszeitung steht. Die Flughafenbefürworter*innen geben sich modern, aber wenn jemand etwas dagegen hat, dann öffnen einige von ihnen offenbar die unterste Schublade.

Neben diesem ziemlich fragwüdigen Werk, wurden wir heute mit einer „Ja“ Broschüre beglückwünscht, die auf der Hinterseite in humorvoller Weise den Flughafen in Bozen zeigen sollte. Ich wusste nicht, dass es üblich ist, Chinesen mit überdimensional großen Spiegelreflexkameras darzustellen und den einzigen schwarzen Passagier als vermeintlichen Übeltäter, der sich abscannen lassen muss.

Ich kann nur bitten, dass sich so viele wie möglich an der Wahl beteiligen, damit das Land sieht, dass es uns nicht egal ist und dass wir nicht noch mehr Millionen in ein Projekt werfen möchten, das zum Scheitern verurteilt ist.

Beitragsbild: Pixabay/xusenru CC0

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