Die Mutter mal anders betrachtet oder „Komplizierte Muttertypen“

Die Beziehung zu seinen Eltern kann wunderschön sein. Aber auch anstrengend und schwierig. Vor Kurzem habe ich dieses Video gesehen und mir so ein paar Gedanken zu den Beziehung der Mädchen zu ihrer Mutter und allgemein zu der Beziehung zwischen Eltern und Kindern gemacht.  Im Film geht es um zwei junge Frauen, die eine schwierige Kindheit hatten und nun den Kontakt zu ihrer Mutter fast gänzlich abgebrochen haben. Den Vater hat die Mutter schon früh verlassen, er war gewalttätig und trank. Nach der Schilderung einer Tochter, der älteren, kauerte sich die Mutter am Fußende ihres Bettes zusammen und die Tochter hatte immer das Gefühl, dass sie die Mutter beschützen musste. Das schaffte sie natürlich nicht. Jahre später wirft sie ihr diese Situation vor. Sie und ihre Schwester fühlten sich ungeschützt und alleine, ihre Mutter habe nicht genug für sie getan. Sie habe nur geputzt und gearbeitet. Die Mutter sieht das allerdings ziemlich anders. Kleine Fehler räumt sie ein, im Großen und Ganzen bleibt sie aber bei ihrem Standpunkt eine gute Mutter (gewesen) zu sein.

Mutterliebe ist eine Leidenschaft, die ihre eigene Gewalt und Größe hat, ihre Übertreibungen und sogar ihre Sinnlichkeit.

Carmen Sylva

Ich lasse die Entscheidung euch, ob sie nun in euren Augen eine gute Mutter war oder nicht, fakt ist aber, dass das Thema „Keine Liebe für die Mutter zu empfinden“ ein gesellschaftliches Tabu ist.

 

In nahezu jeder Kultur und Zeitepoche wir die Frau als Mutter glorifiziert. Das Ziel junger Mädchen war es und ist es Mutter zu werden und (wenn möglich) starke Söhne zu bekommen.

„Gute“ Mütter sind Märtyrerinnen, die sich gänzlich für ihre Sprösslinge aufopfern, das Haus sauber halten, wunderbares Essen herzaubern und den Mann nach Strich und Faden unterwürfig verwöhnen.

Die Beziehung zwischen Mütter und Kinder ist allerdings nicht immer einfach. Während einige Kinder unter einer dominanten Mutter leiden, leiden andere Kinder wiederum unter einer bei ihnen schutzsuchenden Mutter andere wiederum unter anderen Typen und noch andere unter Kombinationen. Ich habe hier einige „Mutter- Typen“ aufgelistet, die ich so im Gefühl habe und würde sie gerne aus meinem Blickwinkel beschreiben. Natürlich freue ich mich sehr auf Diskussionen und euren Gedanken dazu.

Die schwache Mutter

Ein Kind, dass immer im Hinterkopf hat, dass es seiner Mutter nicht gut geht und sie

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Pixabay/ 445693 CC0

traurig ist, wird mit Sorgen voll bombardiert. Das kann eine Mutter vielleicht gar nicht verstehen oder sehen, aber das Kind schon. Es bekommt die volle Last einer erwachsenen Person zu spüren und muss damit umgehen können. Nicht nur das, solche Mütter werden wahrscheinlich auch dazu tendieren, ihr Kind nicht zu loben, weil sie so sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind, dass sie sich für das Wohl des Kindes nur bedingt interessieren. Aber nur vom Kind getröstet oder beschützt zu werden, bringt weder Mutter noch Kind weiter. Das Kind wird sich immer alleine gelassen fühlen.

Die dominante Mutter

Eine zu dominante Mutter, schränkt es komplett ein- das kann sogar bis hin ins Erwachsenenalter gehen. Sie nimmt dem Kind die Freiräume, die es brauchen würde um zu wachsen und sich zu entfalten und gibt ihm nicht das Potential Grenzen zu testen und kennen zu lernen, weil sie eh schon so eng abgesteckt sind, dass es praktisch keinen Spielraum mehr gibt. Diese Kinder, so habe ich es jedenfalls bemerkt, fallen dafür in der Schule oder sonst in der Umwelt negativ auf. Den aufgestauten Frust, die aufgestaute Energie, die sie zuhause nicht auslassen dürfen, die lassen sie dann eben irgendwo anders aus. Egal wo. Beim Fußball oder auch beim Quälen der Mitschüler („Endlich bin ich auch mal mächtig“).

Die gestresste Mutter 

Das ist der Typ Mutter, der nie Zeit hat zuzuhören. Diese Mütter rennen pausenlos auf und ab, telefonieren, machen den Haushalt in windeseile und sind immer auf 180. Als Kind wird es vermutlich sehr frustrierend sein, so eine Mutter zu haben. Sie wird für viele Dinge gar keine Zeit finden und sie gar nicht wahrnehmen. Bei Schulaufführungen wird sie, wenn sie kommt, auf die Uhr schauen und beim Kind vorbeireden. Das Kind wird anfangen um Zeit zu kämpfen, egal ob mit positiven oder negativen Methoden und die Mutter wird sich über das „Nerven“ des Kindes aufregen.

Die nichts- schätzende Mutter

Dieser Muttertyp ist sehr schmerzhaft. Es sind manchmal diese Mütter, die wirkliche Genies und hohe Tiere hinbekommen, weil die Kinder immer und immer um ihre Wertschätzung ringen müssen. Jedes „Gut“ als Note, wird mit einer hochgezogenen Augenbraue kommentiert, jedes „Ausgezeichnet“, den Freunden gezeigt, mit der Erklärung, man sei hochbegabt. Dieses Kind wird wahrscheinlich Mutterliebe an der eigenen Leistung messen und je höher die ist, umso höher auch die Mutterliebe, denn diese Mutter kann dann mit dem Kind angeben. Alles und jeden darunter schätzt sie nicht. Ich vermute, dass diese Mütter die gefallenen Engel sind, die es einfach nicht weitergebracht haben in ihrem Leben und nun unzufrieden sind.

Die gleichgültige Mutter

Das ist die Mutter der alles egal ist. Klingt vielleicht schön, ist es auch beim Thema „Party“, wird es aber nicht mehr beim ganzen Rest. Mütter die gleichgültig sind, halten sich vielleicht für coole Mütter, die ihrem Kind Freiräume geben, aber diese Kinder brauchen auch Halt und nicht nur Freiheit. Richtig schlimm wird es erst, wenn das Kind einem egal ist, denn Kinder fühlen diese Kälte.

Die vorwerfende Mutter

Das ist die Mutter, die einem alles vorwirft, was man irgendwann einmal gemacht hat. Das klingt nun vielleicht Lustig, ist es aber nicht. Eine Mutter die dem Kind ständig kleinere und größere Lappalien vorwirft, macht das Kind sehr vorsichtig im Bezug auf Aktionen und im Bezug auf Vertrauen. Wer will schon wieder hören, was man damals gemacht hat?

 

Die gewalttätige Mutter

Die gewalttätige Mutter spricht für sich. Ich glaube, dass man da nicht viel dazu sagen muss, wie es sich auf das Kind auswirkt. Wahrscheinlich der schlimmste Typ Mutter, den es gibt.

Die überliebende Mutter

Diese Mutter meint es einfach nur gut mit dem Kind, erdrückt es aber mit zu viel Liebe. Die Kinder tendieren vielleicht dazu verwöhnt zu sein aber auch schnell von der Mutter genervt zu sein. Wie auch immer, kuscheln ist nicht immer ein Muss.

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Pixabay/ AdinaVoicu CC0

Es ist sehr schwer, die richtige und gute Mutter zu sein, jetzt wo ich das aufgelistet habe, wird mir erst klar, womit sich viele Mütter rumschlagen müssen. Aber mir wird auch klar, wie schnell man Kinder gefügig machen kann. Viele Muttertypen, die ich so kenne, sind ein Mix. Die überliebende Mutter + die gleichgültige Mutter oder ähnlich. Viele Menschen, die ihre Mütter nicht lieben oder regelrecht hassen, werden in ihrer Kindheit viele Probleme mit ihr gehabt haben. Eine Mutter ist immer die engste Bezugsperson die man haben kann (wenn sie noch lebt), sie ist daher auch die, die am meisten Fehler aber auch die besten Dinge macht, die wir uns für unser Leben vorstellen können.

Eine glückliche Mutter ist für die Kinder lehrreicher als hundert Lehrbücher über Erziehung.

Deutsches Sprichwort

Ich kann Menschen die ihre Mutter nicht lieben, verstehen, aber ich hoffe sehr, dass sie irgendwann, irgendwie einen Weg finden werden noch freundschaftlich mit ihr aus zukommen, denn man hat nur eine Mutter- und die nur ihre Kinder.

Beitragsbild: Pixabay CC0

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6 Gedanken zu “Die Mutter mal anders betrachtet oder „Komplizierte Muttertypen“

  1. Zuallerst ist jeder Mensche eben erst mal Mensch, mit seiner Geschichte und seinen Mustern. Und manche Mutter ist vielleicht biologisch Mutter aber nicht unbedingt vom Verhalten her. Ich hatte mir den Beitrag mehrfach angeschaut, wir haben auch in meiner Kriegsenkelgruppe viel darüber diskutiert, auch weil es viele betrifft. Keiner löst einfach so die Bezeihung zu seinen Eltern, sondern dann wenn es eben nicht mehr anders geht. Von daher finde ich auch den letzten Absatz ziemlich komisch…wenn man z.B. von seiner Mutter misshandelt wurde denke ich ist es besser sich zu schützen.
    Ich kenne kaum Menschen die eine gute oder gar wunderschöne Beziehung zu Ihren Eltern haben. Im Film aht die Mutter es sehr schwer gehabt, aber leider setzt Sie sich damit nicht auseinander…vielleicht auch weil Sie es nicht kann. Sie bleibt stur. Oft sind das auch Schutzstrategien, aber es verbessert die bezeihung zu den Kindern nicht… obwohl gerade die eine Tochter ja so sehr auf Sie zu geht. Das is schon sehr traurig.

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  2. Ps.: und eben weil es kaum geht keien Liebe für die Mutter zu empfinden ist es ja so schmerzhaft für die Kinder..niemand lieben wir so bedingungslos wie unsere Eltern..denn wir sind von Ihnen abhängig ..viele Jahre. Wenn Sie uns egela wären wäre es ja alles viel einfacher.

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    1. Hallo,

      danke für den Kommentar, ich lese die beiden einfach zusammen ok?
      Also der letzte Absatz fasst die gesamte Ansicht noch einmal zusammen aber vielleicht hätte ich da auch eine Überschrift oder so einfügen sollen- so wirkt es vielleicht schon etwas verwirrend. Ja, also das Thema Mutter (aber auch Vater) ist schon ziemlich schwer, weil, genau wie du sagtest, diese Personen ja auch nur Menschen sind im Endeffekt und ich denke, wenn man diese Tatsache respektiert als Gesellschaft und eine Frau nicht zur heiligen Mutter glorifiziert sondern als Person sieht, die nicht immer perfekt und manchmal leider nicht immer nett ist, dann wäre schon ein großer Stein für alle überwunden. Heute habe ich meine Mutter mal wegen was angelassen und gesagt ca. „immer dasselbe mit dir“, weiß auch nicht warum. Und sie meinte dann so, „ja ich bin ja auch nur ein Mensch“. War zwar eine normale Situation und auch kein Streit oder so, aber es stimmt, ich denke viele Menschen vergessen, dass Mütter auch Menschen sind. Frauen, Freunde, Arbeitnehmerinnen/ Arbeitgeberinnen usw.
      Das wäre auch eine interessante Perspektive und ja, die Beziehung zur Mutter ist wahrscheinlich nie ganz der perfekte Sonnenschein. LG!

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      1. Ich finde es für die Kinder wichtig das Sie ernst genommen werden in Ihrem leiden.. genauso wie natürlich einer Mutter auch Respekt gebührt wenns denn so ist… Es ist ein riesen Thema. Der Vater fällt dabei oft runter weil er eben nicht da ist. Und die Kinder werden selten ernst genommen in Ihrem Leid, für die Mutter, die Eltern soll immer Verständnis dasein, auch Ihrerseits. Zuallerst steht für mich aber die Anerkennung des Leidens. Versöhnung ist ein anderes Thema… schau mal vielleicht interessiert Dich das, is grade neu rausgekommen, habs selber auch noch nicht gelesen: http://www.dampfboot-verlag.de/shop/artikel/o-mother-where-art-thou- Aber es gibt auch so sehr viel Litertaur zum Thema. Im Film brauchen alle 3 Hilfe, aber die Mutter im Bericht sieht das nicht ein. Und die Beratungsstelle fand ich auch ziemlich gruslig. Oft reicht es den Kindern schon einfach nur mal gesehen zu werden in Ihrem Schmerz. Das Eltern nicht perfekt sind und auch nur Menschen wissen die meisten glaub ich auch so. Was aber nichts am Schmerz ändert oder daran wie sehr die Kindheit eben für das weitere Leben prägt. LG

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      2. Vielen lieben dank für deinen Tipp! Ja, manchmal habe ich auch den Eindruck, dass (kleine) Kinder nicht so ernst genommen werden und ihnen Verständnis ihrerseits für die Eltern eingedrillt wird aber andererseits das Verständnis für die Kinder auf der Strecke bleibt.
        LG!

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