Stierschützerin Isabel über grausame Stierkämpfe und Hintergründe

Über Stierkämpfe habe ich eigentlich schon geschrieben, allerdings hat mich das Thema nicht in Frieden gelassen, aufgrund der unermesslichen Grausamkeit, die dem Tier angetan werden. Ich habe jemanden dazu hören wollen, der sich mit dem Thema auskennt, jemanden der sich nicht nur auskennt sondern der eine Verbindung zum Thema hat und habe daher die Gruppe „Bulls Defenders United“ auf Facebook angeschrieben. Geantwortet hat mir Isabel, eine junge Spanierin, wohnhaft in Portugal und aktive Stierschützerin, damit wird mir auch bewusst, dass Stierkämpfe weiter verbreitet sind, als gedacht. Es gibt sie bei Weitem nicht nur in Spanien. Das Gespräch, das ich per E-Mail mit ihr geführt habe, ist so ausführlich, dass ich das Dokument als „Isabel G. García about Bull fights “ hochgeladen habe. Es ist wichtig hier zu betonen, dass das Interview nicht zur Veröffentlichung gedacht gewesen ist und die Fragen daher ganz einfach gestellt worden sind.

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Das Logo von „Bulls Defenders United“ (auf Deutsch: „Vereinigte Stierschützer  Seit 2014“)

Isabel beantwortet die Fragen sehr, sehr ausführlich und genau. Man bemerkt, dass es ihr großes Anliegen ist, dass die Menschen weltweit über Stierkämpfe aufgeklärt werden- und nicht nur die, die sie vor ihrer Haustüre haben. Das sagt sie mir auf Facebook. Vor allem in diesen Tagen, in denen das unermessliche Leid der Tiere wieder sichtbar wird, während sie durch Spanien gejagt und anschließend getötet werden aufgrund sinnloser Tradition und Sadismus, ist es umso wichtiger, dass die Leute einen Einblick in die brutale Welt der Stierkämpfe bekommen. Im Jahr 2015 gibt es, so die junge Frau,  1736 Stierkämpfe. Die Dunkelziffer wird viel höher sein. 1736 ist eine erschreckend hohe Zahl für eine so brutale Tat, aber mehr noch als diese Zahl, erschrickt mich die Tatsache, dass davon ca. 23% noch Kälber waren und 20% wachsende Jungtiere. Isabels Worte machen mich sprachlos, ihr Interview lese ich nicht gerne durch. Man will nicht mehr lesen, was den armen Tieren angetan wird, in einer vermeindlich modernen Zeit, in der der Mensch Katzenvideos bestaunt und zeitgleich Stierbabies abschlachtet.

Aber man muss.

Also lese ich es und stolpere über die gleichen Sätze, wieder und wieder, weil ich sie vor Entsetzen nicht wirklich genau verstanden habe.

Warum gibt es Stierkämpfe noch heute?

Diese Frage ist für Isabel schwierig zu beantworten, aber sie geht davon aus, dass die reichen Rancherfamilien einen sehr großen Einfluss darauf haben- auch wenn die Popularität der Stierkämpfe sichtlich schwindet. Tiere für menschliche Unterhaltung zu verwenden, ist laut Isabel, so alt wie die Menschheit selbst, kombiniert mit der fehlenden Empathie für Tiere und der fehlenden Bildung in ärmeren Regionen, außerdem wird diese Form von Tierquälerei von der Öffentlichen Hand auch noch unterstützt. Die Stierschützerin vermutet, dass all diese Faktoren zusammen spielen wenn es um die Beantwortung dieser Frage geht. Tiere werden von diesen Personen nicht als lebende und fühlende Wesen wahrgenommen, sondern als Gegenstände, die man einfach und gedankenlos „gebrauchen“ kann. In Spanien, erklärt mir Isabel, werden Tiere in fast allen Regionen missbraucht. Überall ein bisschen anders. Hahnenkämpfe auf der einen Seite. Ziegen vom Turm runterwerfen auf der anderen Seite. Dass Stiere so beliebt sind, liegt daran, dass sie groß und meistens schwarz und stark gebaut sind- und dass man ihr Leiden nicht so schnell sieht. Im Übrigen ist es einfach Tiere zu quälen. Sie sind  die verletzlichsten aller Wesen sein und können nicht sprechen.

Animals are the most damaged and hurt, as they are in the end of the line, without voice. (Isabel G. Gracía)

Von wo kommen diese Stiere?

Isabel erklärt, dass für Stierkämpfe eine eigene Rasse auf Stierfarmen gezüchtet wird, die „Toro de lidia“, auf deutsch: „Stier für Stierkämpfe“ heißt. Diese Tiere werden von den Veranstaltern und Befürwortern der Stierkämpfe als aggressiv verkauft, was sie allerdings nicht sind. Desweiteren werden Stierkämpfe damit gerechtfertigt, dass die Rasse „Toro de lidia“ ohne Stierkämpfe aussterben würde, was auch nicht der Fall sein muss. Die Züchter dieser Stiere werden manchmal für ihre Tiere berühmt, wie z.B.  Mihura. Er war für seine aggressiven Stiere berühmt aber tatsächlich sind auch seine Stiere alles andere als das. Wenn Stiere aggressiv werden, dann meistens um zu überleben, betont Isabel und fügt den Link zum Video eines ruhigen und freundlichen Mihura- Stieres dem Interview bei.

Wie funktioniert ein Stierkampf?

Die Reaktionen der Menschen auf Stierkämpfe sind meistens dieselben. Wer sie nicht kennt und sie sich auf Youtube oder auch live das erste Mal ansehen ist meistens geschockt und den Tränen nahe. Isabel erzählt, dass die Kinder fast immer weinen aber den Eltern folgen. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass die Reaktionen auf diese Form von Missbrauch so ausfallen.

Ein Stier steht bei einem Stierkampf ganz alleine einer Masse von Menschen gegenüber und anstatt, wie ich naiver weise gedacht habe, betäubt zu werden, wird er vor dem Kampf misshandelt um mehr Action raus zu holen. Dem Stier wird Vaseline in die Augen gestrichen, damit er verschwommen sieht und Pfeffer in seine Nüstern und seinem Anus getan um ihm Schmerzen zu bereiten. 24 Stunden vor dem Stierkampf wird ein Stier in einem winzigen Käfig ohne Schlaf, Nahrung und Wasser gehalten. Sobald der Kampf losgeht, wird ihm eine Zacke mit bunten Bändern in den Rücken gerammt, die“estela“ heißt. In der Arena steht er mehren Männern gegenüber, die ihn mit Speeren und sogenannten „Banderillas“ jagen. Sie werden nach und nach in den Stier gerammt, bis der ermüdet und schwer verletzt zu Boden geht. In diesem Moment, sticht ihm der Matador das Schwert in den Rücken um das Herz zu treffen. Allerdings, so Isabel, wird das Herz so gut wie nie getroffen aber das Tier speit Blut aus den Lungen. Das Tier ist auch noch am Leben wenn ihm seine Ohren, sein Schwanz und seine Hoden abgeschnitten werden. Dann wird dem Stier ein Messer in den Nacken gerammt um ihn endgültig zu töten aber auch das überlebt das Tier so gut wie immer. Die Folgen sind zwei Mögliche. Der Stier wird in die Innenarena gebracht, ist das noch nicht passiert und verblutet dort oder er wird zum Schlachthaus gefahren.

Isabel ist selbst schon bei mehreren Stierkämpfen gewesen und es war einfach schrecklich für die junge Frau. „Lidia“ oder auch „corrida de toros“, also die spanischen Bezeichnungen übersetzten Stierkampf am Besten, denn um einen „Kampf“ im eigentlichen Sinne geht es nicht. Es geh ganz einfach um grausames Ermorden des Tieres und nicht mehr. Der originale Begriff bezieht sich darauf, dem Tier zu suggerieren, dass es eine Überlebenschance hat, die es de facto nicht hat. Leider sind die spanischen Medien die größten Treiber dieser Stierkämpfe, da sie alles zu diesem Thema in die Nachrichten bringen.

Tierschutz in Spanien

Obwohl es in Spanien Tierschutzgesetze gibt, werden sie nicht eingehalten. Medien, Polizei und Justiz interessieren sich ganz einfach um deren Einhaltung. Einige NGO’s und eine Partei kämpfen allerdings sehr für den Schutz der Tiere. Daher ist es wichtig, dass auch Menschen außerhalb Spaniens und den Ländern in denen Stierkämpfe betrieben werden, darüber informiert werden und mit kritischem und wachem Auge die Situation beobachten. Isabel findet Unterstützung sehr, sehr wichtig. Nicht nur die finanzielle Unterstützung, die ist zwar auch fundamental. Aber wirklich, wirklich wichtig, ist in Isabels Augen, die aktive Unterstützung.

In my opinion, more important than money or deeds, is to spread the message, to help people know what happen, to make people react, and take active part in the fight.  (Isabel G. Gracía)

Dass die Menschen reagieren und agieren, dass die Stierschützer *innen mehr und mehr werden und dass sich überhaupt mehr und mehr Menschen gegen Tierquälerei aktiv einsetzen. Dafür kämpft Isabel und das wünscht sie sich auch von Anderen um das Leid der Tiere zu beenden.

Beitragsbild: Paco111/ Pixabay CC0

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