Das Lager. Australiens Folterlager auf Nauru

Flüchtlinge, die nach Australien wollen, erleben auf Nauru, einer Insel kurz davor, Folter, (Kindes)Misshandlung und Vergewaltigung. Aus purer Verzweiflung stehen Suizidversuche und Selbstverstümmelung an der Tagesordnung. Minuziös und sachlich dokumentiert, erschreckend zugleich.

Die unmenschlichen und prekären Bedingungen, werden von Australien erkauft, dessen Flüchtlingspolitik man als Folter und „Politik des Grauens“ definieren kann. Für die nicht- Einhaltung der Menschenrechte, unter dem Deckmantel des Slogans „No Way“, wird das Land auch noch hochgelobt. Zum Beispiel von Österreichs Politiker Kurz (ÖVP). Der Australischen Regierung ist offenbar jedes Mittel recht um keine Flüchtlinge an Land zu lassen, egal wie unmenschlich sie dabei vorgeht. Im Laufe des Textes findet ihr einige Beispiele, die alle aus den Originaldokumenten stammen, gesammelt und ausgewertet von „the Guardian„. Eigentlich habe ich schon einen Beitrag über Australiens Regierung bezüglich Flüchtlinge geschrieben, allerdings ist dies hier einen eigenen wert

Laut TAZ, in der ich den ersten Artikel dazu gelesen habe, wird auf Nauru geflüchteten Frauen und Kindern sexueller Missbrauch angedroht. Nicht selten werden sie auch sexuell belästigt und missbraucht. Der frühere Lagerarzt Peter Young kann die Zustände dort als Folter definieren, sich ein Bild von der Situation dürfen sich Menschenrechtler und Journalisten allerdings nicht machen. iPhones werden abgenommen und jeder Kontakt zur Außenwelt wird wenn möglich unterbunden. Ich vermute mal, dass die Reaktion zu sehr gefürchtet wird.

Die ca. 8000 Dokumente die nun vom Guardian ins Netz gestellt wurden, sind geheim und dort unter“the Nauru Files“ abrufbar. Es ist auch kein Wunder warum. Sie bezeugen einen äußerst brutalen und sadistischen Umgang mit Flüchtlingen, teils kleinen Kindern.

So schreibt der Guardian, dass dem Bericht einer Lehrerin zufolge, eine Aushilfe ein Mädchen oder einen Jungen verlangte um dem Kind beim Duschen zuzusehen. Übergriffe auf Kinder, seitens der Wärter sind dort keine Seltenheit. So wurde ein Mädchen geschlagen, am Hals gepackt und dann mit dem Kopf zweimal auf den Boden geschlagen. Danach nahm der Wärter einen Stuhl und schlug ihn über das Kind. Das Kind weinte und zitterte.

(passierte am 03.09.2015, habe ich etwas gekürzt)“WAS CRYING AND WAS OBSERVED TO BE VERY SHAKEN. [REDACTED] REPORTED THAT A WILSONS SECURITY GUARD HAD JUST HIT HIM. [REDACTED] WHEN A SECURITY GUARD ENTERED AND YELLED AT THEM, „HY ARE YOU IN HERE?“. [REDACTED] THEN REPORTED THAT THE SECURITY GUARD GRABBED HIM AROUND THE THROAT AND HIT HIS HEAD AGAINST THE GROUND TWICE. [REDACTED] ALSO SAID THAT THE SECURITY GUARD THREW A CHAIR ON HIM AND SHOWED [REDACTED] A RED RAISED MARK ON HIS ARM. [REDACTED] THE CHILDREN LEAD CW TO AREA 10 AND POINTED AT A MALE SECURITY GUARD, WHO WAS LATE IDENTIFIED BY CW [REDACTED] AS [REDACTED]. [REDACTED] SAID „HE HIT ME“. [REDACTED] THEN ASKED [REDACTED] „WHY DID YOU HIT ME?“. [REDACTED] THEN MOVED TOWARDS [REDACTED] AND IN A RAISED VOICE RESPONDED DID YOU COME IN HERE, YOU ARE NOT ALLOWED IN HERE, GET OUT OF HERE“ The Nauru files (in condensed form), original post you can find here 

Dieser Bericht ist nur einer von vielen schockierenden Berichten, die man auf der Seite sieht. In den aufliegenden Dokumenten gibt es sieben Berichte von sexuellen Übergriff an Kinder, 30 Selbstverletzungen in denen Kinder involviert waren und 159 angedrohte Selbstverletzungen in denen Kinder involviert waren. Ich vermute mal, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegen wird.

„In the files there are seven reports of sexual assault of children, 59 reports of assault on children, 30 of self-harm involving children and 159 of threatened self-harm involving children.“ The Guardian, 10.08.2016

Auf der Facebookseite „Free the Children NAURU“ wird von weiteren Übergriffen und Drohungen berichtet. Die Seite gehört dem gleichnamigen Blog an, auf dem man sich laufend informieren kann. Einem Mädchen wurde von einem Wärter gesagt, dass er gerne ihre Lippen aus ihrem Gesicht schlagen würde, einem anderem wurden Steine hinter her geworfen und eines wurde ausgelacht, als ein Wärter bemerkte, dass ihre Lippen zusammengenäht waren (warum sie sie zusammen genäht hatte, ist mir leider unklar).

Die Liste der Gewalttaten an Flüchtlingen und der sexuellen Übergriffe durch Machtpersonen/ Wärter ist lang, die ganzen Dokumente inklusive Selbstverletzung und andere Vorfälle durchzulesen, würde Tage dauern.

In einem Video, das der Guardian veröffentlichte, berichten junge Leute von ihrem Leiden dort und von der menschenunwürdigen Bedingungen und Behandlungen, denen sie ausgesetzt sind.

 

Die australische Bevölkerung zahlt für jeden Flüchtling auf Nauru umgerechnet mehrere hunderttausend Dollar (TAZ) an Nauru und folgt treu ihrem Kurs.

Es ist ein Spiel in der Macht und Ohnmacht nicht weiter auseinander liegen könnten, in der es klare Opfer und Täter gibt und in dem die Wärter, die für Schutz und Ordnung sorgen müssten, Kinder misshandeln. Die Australische Regierung möchte, laut Young, die Menschen zermürben, allerdings geht dieses Verhalten weit über Zermürben hinaus. Es erinnert mich an das Stanford- Prison- Experiment zwischen Gefangenen und Wärtern, in denen die Wärter, die wie die Gefangenen ja auch nur Teilnehmer des Experimentes waren, immer brutaler wurden. Dieses Experiment wiederum wurde gemacht um zu verstehen, wie Wärter in der Zeit des Nationalsozialismus‘ in den KZ’s so brutal sein konnten.

Dieses Verhalten sehe ich auch hier. Wenn sich Menschen versuchen das Leben zu nehmen weil sie so misshandelt werden und ihr Leben dort eine pure Hölle ist, dann sind wir alle gefragt dagegen zusteuern. Australien selbst, hat die Flüchtlingskonvention unterschrieben, will aber keine auf australischem Boden haben.

Diese Entwicklung halte ich für sehr gefährlich, ebenso wie die weitreichende Unterstützung, die sie seitens hoher europäischer und amerikanischer Politker*innen bekommt.

Die 8000 Seiten, dokumentieren Folter und Nötigungen gigantischen Ausmaßes. Es gilt die Augen offen zu halten und nicht wegzusehen, es gilt Menschlichkeit zu zeigen und ein Licht zu bringen, dort wo Dunkelheit ist.

Ein neues Video der Facebookseite

Beitragsbild: MarkoLovric / Pixabay CC0

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