Namen Drama: Das Problem der Glücksbringerin

 

Ich bin wahrscheinlich die Einzige in Europa mit diesem Namen. Wie es ist einen asiatischen Zungenbrecher als Namen zu haben und warum ich ihn nicht ändern möchte. Vorweg: der Name wird nicht genannt, sondern die Übersetzung. 

Was für ein Tag. Da beginnt doch ein neues Fach an der Uni und der Dozent versucht zumindest meinen Nachnamen abzulesen. Ich bin gerührt.

Das bin ich wirklich!

Es ist zwar nicht so, dass mein Nachname auch unlesbar ist, allerdings war der Dozent italienischsprachig, mein Nachname stockdeutsch und ein Zungenbrecher. Mein Nachname ist auch nie wirklich ein Problem in meinem Leben gewesen- mein Vorname allerdings schon.

Ich habe einen ziemlich, ziemlich, ziemlich seltenen asiatischen Vornamen, der mir gehörig das Leben verkompliziert. Bei wirklich jedem Dokument bei dem ich bei dessen Anfertigung anwesend sein muss, schluckt er oder sie und schaut mich hilfesuchend an. Das ist dann mein Stichwort: ich biete an, ihn selbst in den PC zu tippen und er oder sie lächelt mich peinlich berührt an.

Er oder sie weiß natürlich nicht, dass ich mich ziemlich häufig in dieser Situation befinde und inzwischen weiß wie ich sie am schnellsten lösen kann. Er oder sie wird sich sicherlich fragen, wie man so einen bescheuerten unaussprechbaren und endlos langen (10 Buchstaben) Namen tragen kann- Chantal wär da noch besser. Aber was er oder sie sich nicht fragen wird ist, wie die Trägerin des Namens dazu steht.

Nun, die Trägerin des Namens ist 22 Jahre jung, schreibt dieses Blog sporadisch und ist als Studentin ein ziemlich gewöhnlicher Mensch- wäre da nicht dieser verflixte Name der wirklich nicht sein müsste.

Bei jeden Appell bekomme ich schon innerlichen Frust, weil ich weiß was nun kommen wird. „Äh.. ähm… S…. Nein, äh… Pfa..“ und dann der hilflose Blick in die Runde. Immer wieder unterbreche ich gleich zu Anfang und versuche so strahlend lächelnd wie möglich meinen Namen rauszuposaunen. Die Mundwinkel der AppellaufruferInnen ziehen sich leider dennoch gerne nach unten. So einen komischen Namen in einer so feinen Südtiroler Gesellschaft. Das stört das Bild.

Der Name wurde mir nicht von meinen Eltern gegeben, sondern von Ärzten, die sich an asiatische Traditionen hielten, welche mir nun ständig verwirrt bis verzweifelte Gesichter bescheren. Warum nun von den Ärzten der Name gegeben wurde, ist nicht wichtig, wichtig ist an dieser Stelle nur, dass ihn nicht meine Eltern ausgesucht haben. Über meinen Namen haben sich selten andere Kinder lustig gemacht- vielmehr haben sie verzweifelt versucht ihn zu buchstabieren. Mein Name wurde dann, als ich 07 Jahre alt war, auf vier Buchstaben abgekürzt, als ich 16 war wieder auf vier, aber anders. Den zweiten Spitznamen trägt nun oft sogar die Post die ich erhalte und einmal ein Zeitungsartikel in dem ich erwähnt wurde.

 

Einen Namen zu besitzen der so selten ist wie meiner und noch dazu so lange und schwer auszusprechen ist mehr ein Fluch als Segen und Fluch zugleich. Man wird auf duzende Seiten gesperrt, weil Google und Facebook denken, dass er nicht echt wäre. Man scheint in den internationalen Namenslisten nicht auf und muss hundert mal erklären, dass das kein Fantasienamen ist. Aber dafür wird mich nicht Opfer der Kevin- und Chantalverarsche, das ist ja auch wieder toll! Man muss den Behörden nachtelefonieren um die Namen zu korrigieren- den Ärzten, Lehrern usw. ebenfalls und man fühlt sich durch die falsche Aussprache des Namens, dessen Nicht- Aussprache, durch die Registernummer (ich war Registernummer 16) oder nur der Aussprache des Nachnamens ziemlich herabgesetzt.

Trotz allem ist mein Name ein Teil von mir und meiner Identität. Dass mein Name so ungern und so falsch ausgesprochen wird, ist natürlich nicht die Schuld der Personen, weh tut es dennoch, weil es sich manchmal anfühlt, als würde es meine Würde verletzen. Meine Eltern haben sich nie getraut den Namen abzuändern und ich werde das auch nicht tun, auch wenn ich in ganz Europa die Einzige mit diesem Namen bin.

Er ist doch immerhin ein Teil von mir und seine Bedeutung könnte schöner nicht sein.

Alles Liebe

Die Glücksbringerin (Übersetzung)

 

 

(Beitragsbild: sasint / Pixabay – His pictures are just beautiful!)

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6 Gedanken zu “Namen Drama: Das Problem der Glücksbringerin

    1. Hallo liebe Simmis Mama,
      das kann sogar sein. Meistens schaffen es Kinder am schnellsten den Namen richtig auszusprechen aber mit Übung und Wille schafft es jeder nach fünf Minuten. 🙂
      Ich habe mir überlegt, den Namen mal nicht rein zuschreiben, aber vielleicht zu späteren Zeiten.
      Alles Liebe und danke für den netten Kommi 🙂

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      1. Na ich wäre natürlich super neugierig aber da dein Name so selten ist, wäre es besser wenn du ihn nicht auf deinen Blog schreibst :-).
        Ich habe Pho. netik studiert und wir haben zweimal pro Woche das phonetische Alphabet geübt mit dem du alle Sprachen der Welt transkribieren kannst. Das war super! Mehrere Semester lang. Deshalb sollte ich deinen Namen hinkriegen.

        Gefällt 1 Person

      2. Oh… Phonetik muss ich gerade für eine sehr schwere Linguistikprüfung lernen. Das ist so kompliziert und schwer, aber an sich sehr interessant. Ja, dann bin ich guter Dinge, dass du ihn aussprechen könntest, so schwer ist er in meinen Augen nun auch wieder nicht. Wie gesagt, vielleicht schreibe ich ihn auch mal etwas später rein 🙂

        Alles Liebe!
        Die Glücksbringerin 😉

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  1. Nachdem ich deinen Text gelesen habe, sind mir zwei Parallelen aufgefallen: 1. Auch mein Name wird ständig falsch geschrieben (wobei er bei weitem nicht so kompliziert ist, wie der deine vermutlich) 2. Auch mein Name bedeutet „Glück“.
    Ich frage mich jetzt allerdings, warum ausgerechnet etwas so Positives wie „Glück“ in manchen Sprachen so verkompliziert wird…

    Viele Grüße,
    Felicitas

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    1. Oh hallo liebe Felicitas!
      Und was für ein schöner Name!

      Also, das Frauen und Mädchen mit dem Namen Felicitas auch so ihre kleinen Leidensgeschichten erzählen können, weiß ich. Ich habe mal irgendwo ein Praktikum gemacht und dort war eine Felicitas registriert. Die wurde von den Mitarbeiterinnen immer falsch geschrieben. Mal mit Z, mal mit S und dann gab es noch die V- Version davon und weitere abenteuerliche Arten den Namen falsch zu kopieren.
      Bei mir passiert sehr gerne, dass gerade beim E-Mail Verkehr mit Journalisten, mein Name KOMPLETT falsch geschrieben wird, obwohl man nur copy/paste von meiner Mail machen müsste (die ja immer im Textverlauf angezeigt wird).

      Diese Frage, warum etwas so Positives wie „Glück“ so verkompliziert wird, ist schon sehr interessant 🙂
      Ich weiß es nicht, vermutlich weil das Tolle einfach so schwer in Worte fassbar ist 😉

      Alles Liebe
      Die Glücksbringerin 🙂

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