Aber Heidschi Bumbeidschi: Eines der mysteriösesten deutschen Lieder

Das Lied, das viele deutschsprachige Menschen als Weihnachtslied oder Wiegenlied durch die Kindheit begleitet hat, hat einen sehr mysteriösen Hintergrund. Es gibt verschiedene Vermutungen zur Entstehung des Liedes und wer die Strophen kennt, weiß wie dunkel es ist. 

Das Lied „Åber heidschi bumbeidschi“ bzw. „Heidschi bumbeidschi“ ist als Volkslied und Wiegenlied bekannt, welches seinen Ursprung in Österreich (Wien), Bayern oder Südtirol hat. So genau ist das offenbar nicht bekannt, denn die Quellen variieren immer zwischen den drei Orten. Das Lied ist sehr düster und die Süßlichkeit mit dem das Lied gesungen wird, macht es noch abgründiger. Vorweg: definitiv nicht als „pädagogisch wertvolles“ Lied empfohlen, aber hochinteressant und trotz allem wunderschön.

Es wird zumeist in Mundart gesungen und inzwischen wurden durch Heintje„Heidschi bumbeidschi“ andere Strophen berühmt, welche so im Original gar nicht existieren.

Das Lied wurde 1819 erstmals unter „Haidl bumbaidl“ in Österreich veröffentlicht. Vermutlich geht seine Entstehungsgeschichte aber weiter zurück. Die frühesten Versionen stimmen allerdings textlich nicht ganz mit den heutigen überein. 1724 wurde ein Lied  „Haidl bumbaidl“ in Österreich vorgetragen mit einem sehr ähnlichem Versschema wie dem uns bekannten, allerdings ist bei dieser Version nicht die Melodie bekannt. Die dritte und vierte Strophe wurden 1819 ergänzt.

Das überlieferte Original hat vier Strophen von welchen, warum auch immer, eigentlich immer nur drei gesungen werden (Meine Erfahrung). Wahlweise die zweite oder die dritte Strophe. Das Lied komplett zu singen, wäre meines Erachtens gut, um das ohnehin schon mysteriöse Stück ein bisschen besser zu verstehen. An sich gibt es ca. 10 Strophen die bekannt sind, von unterschiedlichen Federn stammen und jünger oder älter sind, aber als „original“ wird jenes mit den vier Strophen gesehen.

Die Strophen (Wikipedia)

Die Strophen unterscheiden sich in ihrem Sinn und das macht das Lied noch rätselhafter. Das Lied hängt demnach nicht zusammen sondern besteht aus unterschiedlichen Teilen. Am Ende dieses Kapitels habe ich die Strophen eingefügt.

So geht es in der ersten Strophe darum, dass die Mutter das Kind verlassen hat und nicht mehr kommen wird. Das wird von einer gewissen Person beklagt welche das Lied vorträgt. Hier ist mir nicht klar, wer diese Person ist und ich kann nur Vermutungen anstellen. Von der ersten Strophe gibt es noch eine weitere Version. In dieser Version kommt die Mutter nach „langer Zeit“ heim. Es wird also beklagt, dass sie so lange weg ist. Beide Fassungen sind bekannt.

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Viele der Wiegen konnte man leicht hin und her schaukeln, sowie auch diese, die allerdings auf einem Beingestell ist. RonGreene/ Pixabay

In der zweiten Strophe wird das Baby von den Engeln gefragt ob es im Himmel spazieren fahren möchte und passend in der dritten Strophe von einem Engel auf einem weißen Schimmel abgeholt. Demnach ist das Kind gestorben, was allerdings nicht zwangsläufig mit dem Thema des Verlassen werden zu tun haben muss.

Die vierte Strophe ist die mysteriöseste. In dieser Strophe wird „Heidschi bumbeidschi“ personifiziert. Eine männliche Person, welche das Kind geholt hat und nicht mehr wieder bringt. Demnach hat also nicht die Mutter das Kind verlassen sondern das Kind wurde genommen. Hier könnte damit der Tod gemeint sein. Historisch gesehen war die Sterberate für Säuglinge und für Mütter zu jener Zeit sehr hoch, dies könnte hier thematisiert worden sein.  Es könnte, wie viele vermuten, auch eine Anspielung auf die sog. „Türkenkriege“ sein und bei denen viele männliche Kinder entführt und später getötet wurden. Allerdings stimmt diese Version zeitlich nicht mit der bekannten Entstehung des Textes überein, da die Kriege 1453 waren und erste wirklich bekannte Verse des Liedes erst von 1724 bekannt sind. Also gut 300 Jahre später.

Aus persönlicher Sicht möchte ich noch die Möglichkeit von „heia Bub“ hinzufügen, welche ich raushören kann. „Heia“ wird manchmal fürs Schlafen gesagt und ich höre dies immer wieder.

Noch eine Möglichkeit ist das „Heitschi“ mit dem „Hutschen/ Schaukeln“ zu assoziieren; so wird das Kind in der Wiege geschaukelt, während ihm das Lied vorgetragen wird.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass es von Griechenland importiert wurde, allerdings ist diese Möglichkeit nicht wahrscheinlich (Wikipedia)

Åber heidschi bumbeidschi, schlåf långe,
es is jå dein Muatter ausgånga;
sie is jå ausgånga und kimmt neamer hoam
und låßt dås kloan Biabele gånz alloan!
Åber heidschi bumbeidschi bum bum,
åber heidschi bumbeidschi bum bum.

Åber heidschi bumbeidschi, schlåf siaße,
die Engelen låssn di griaßn!
Sie låssn di griaßn und låssn di frågn,
ob du in’ Himml spaziern willst fåhrn.
Åber heidschi bumbeidschi ...

Åber heidschi bumbeidschi, in’ Himmel,
då fåhrt di a schneeweißer Schimml,
drauf sitzt a kloans Engei mit oaner Låtern,
drein leicht’ von’ Himml der ållerschenst Stern.
Åber heidschi bumbeidschi ...

Der Heidschi bumbeidschi is kumma
und håt ma mein Biable mitgnumma;
er håt ma’s mitgnumma und håts neamer bråcht,
drum winsch i mein’ Biaberl a recht guate Nåcht!
Åber heidschi bumbeidschi ... [10]

Geeignet als Wiegenlied? (Weiter zu lesen– Noll)

Wohl nicht.

Einem Kind ein Lied vorzusingen welches ihm Angst macht und ihn sogar mit Tod, Verlassen werden und Entführt werden, ist keine gute Idee. Außer man möchte sein Kind traumatisieren, dann gibt es nichts Besseres.

Pädagogisch also nicht wirklich zu empfehlen.

Ich persönlich liebe das Lied, besonders Esthers Version. Ich finde es sehr schade, das ich keine Version mit allen vier Strophen gefunden habe, aber das Lied ist definitiv nichts für Kinder. Das Lied ist sehr emotional und mein Ziel ist es dies jetzt mal mit der Gitarre schön nachzuspielen. Trotz seiner Abgründe oder vielleicht gerade wegen seiner Abgründe reizt mich das Lied und ich höre es sehr gerne an.

Natürlich habe ich eine der schönsten Varianten herausgesucht um sie euch zu zeigen. Sie wird von Esther Ofarim vorgetragen. Die vierte Strophe fehlt.

Empfehlung: 

Noll- Anmerkung zu Wiegenlieder

Beitragsbild: krolak /Pixabay 

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2 Gedanken zu “Aber Heidschi Bumbeidschi: Eines der mysteriösesten deutschen Lieder

  1. mir selbst war dieses Lied immer zu düster deshalb mag ich es auch nicht. Es klingt eher nach eine Moritat als nach einem Wiegenlied und auch als Weihnachtslied ( warum auch immer es zu dieser Zeit gesungen wird ist mir verborgen geblieben) nicht geeignet.

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo wolfcat01,
      ja es ist sehr düster. Warum es genau zu Weihanachten gesungen wird, kann man nur vermuten. Aber wahrscheinlich weil die Jahreszeit sehr kalt ist und früher zu dieser Zeit besonders viele Kinder starben. Das wird sich WARHSCHEINLICH bis heute dann so durchgesetzt haben. Über die Geschichte des Liedes ist leider sehr wenig bekannt und das war das Einzige das ich gefunden habe.
      Ach in meinen Augen ist es weder als Weihnachtslied noch als Wiegenlied geeignet.
      Liebe Grüße

      Gefällt 1 Person

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