Wer nicht arisch, der ein Nafri… oder so

Als vor einem Jahr zu Silvester duzende Frauen Opfer sexueller Belästigungen von „nordafrikanisch aussehenden jungen Männern“ wurden, war der Aufschrei groß- und das zu Recht.

Eingekesselt zu werden von einer Horde Männer, die einen anfassen, ist wahrscheinlich eines der schlimmsten Dinge, die einer Frau aber auch einem Mann passieren kann.

Dass aber zu Silvester, ein Jahr später, daraus aber beklatschtes Racial Profiling der Kölner Polizei wurde, können wohl nur die schon im Voraus befürchtet haben, die dies ständig erleben müssen.

Wer nicht strohblond, blauäugig ist und europäisch aussieht, der hat im Leben verloren- Jedenfalls die Menschenwürde.

Es gibt offenbar nichts was eine Horde von Polizisten und Polizistinnen lieber tut als vor einer gesamten herglotzenden Menschenmenge eine Person herauszupicken und mit langen Ausweiskontrollen und herablassenden persönlichen Fragen zu schikanieren.

Wer dies nicht am eigenen Leib erlebt, wird diese Demütigung sogar begrüßen. Denn schließlich wollen wir in einem sicheren Europa leben, indem die Menschen friedlich zusammeln leben können. Allerdings sollte er/sie bedenken, dass die weltweite Armut in seiner Geschichte gänzlich Europa zu verschulden hat. Das am Rande.

Es ist sicherlich verständlich, dass es mehr Sicherheit braucht, aber die Kölner Polizei sollte sich einfach nur schämen. Hier ging es nicht um Prävention und um Sicherheit, hier ging es um ein medienwirksames Spektakel auf Kosten der Menschenwürde von „nicht- europäisch aussehenden“ Personen. Die Art und Weise, wie die Polizei in Köln, dies auf Twitter aufzog gleicht einer Hexenjagd. Aber die Botschaft eines sicheren Kölns ist medienwirksam angekommen.

„Der n-tv-Reporter Christoph Herwartz war vor Ort und beschreibt die Lage so: „Ein einzelner Schwarzafrikaner? Nach rechts. Ein einzelner Araber, oder jemand, der so aussieht? Nach rechts. Ein Blonder ohne Mütze? Nach links. Ein Araber in Begleitung einer Frau? Nach links. Nach und nach wird das Schema deutlich: Wer nicht im engeren Sinne weiß ist und nicht in Begleitung einer Frau, muss fast immer die rechte Tür nehmen, die anderen die linke Tür.“ (ze.tt: „Das wundert mich nicht“ <– sehr guter Beitrag, bitte lesen)

Das nach rechts oder nach links schicken gab es schon einmal in seiner Form und ich finde es interessant, wie sich die Geschichte immer wieder wiederholt. Alles beginnt immer so subtil, so, dass nur die Leidtragende sich denken können, wie das noch enden wird.

Dass die Polizei derartige Schikanen auch noch öffentlich gemacht hat, liegt wahrscheinlich daran, dass sie dafür Rückenwind bekommt. Denn der Applaus in den sozialen Netzwerken spricht für sich. Von breiten Teilen der Bevölkerung wurde ihr Verhalten verteidigt („was hätten sie tun sollen?“) oder begrüßt. Das die Menschenwürde mit Füßen getreten wird, nur aufgrund des Aussehens für das man nichts kann, ist nicht nur egal, sondern wahrscheinlich erwünscht. Das deutsche Grundgesetz, welches jedem Menschen, egal wie er aussieht, welches Geschlecht er hat, udg. dieselbe Behandlung verspricht, wird hier bewusst außer Acht gelassen, mehr noch, mit Füßen getreten.

Die Aussagen des Polizeisprechers, das man ja wisse wie ein Nordafrikaner (in seinem Terminus wohl lieber #Nafri) aussehe, ist ein Beleg für die Mentalität der Polizei. Das Wort „Nafri“ wurde übrigens frischfröhlich (sogar in Englisch) hektisch herum getwittert als wäre etwas Schlimmes passiert über das man die Europäische Bevölkerung umgehend informieren müsste.

„Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft. Infos folgen“ 

Dabei wurden ohne Gründe vermeintliche „Nafris“ also vermeintliche „Nordafrikaner“ per Racial Profiling kontrolliert. Obwohl wahrscheinlich, alle die nicht blond-blau- europäisch aussahen sofort unter Terrorverdacht standen. Ich will nicht wissen was bei der Polizei am Stammtisch beredet wird. Das Verhalten der Kölner Polizei war nicht nur absolut unprofessionell und rassistisch, sondern extrem demütigend aber ich hoffe, dass sie zumindest ihren Spaß dabei hatten.

Nafri: ist der Begriff frei von Wertung oder doch nicht? Im Artikel von SPON  gibt der Sprecher eine irrwitzige Erklärung ab die sich selbst widerspricht

 „Dieser Begriff ist frei jeder Wertung“, sagte der Sprecher. Er beschreibe auch nur generell „Menschen eines bestimmten Phänotyps“, wobei in der Gruppe der „Nafris“ auch Intensivtäter vorkommen würden. Die Bezeichnung würde aber explizit nicht nur Straftäter, sondern generell Menschen dieser bestimmten Abstammung beschreiben.“ 

Somit wurde von der Kölner Polizei jeder Überprüfte pauschal zum „Nafri“ degradiert und somit wohl grundlos gleich schon einer Straftat beschuldigt. Ich wusste gar nicht, dass jeder Nordafrikaner ein Intensivtäter ist.

Die deutsche Polizei scheint langsam von ihren österreichischen, schweizerischen und französischen Kollegen zu lernen. Wer weiß wie lange es dauert bis sie das perfekte Racial Profiling der amerikanischen Kollegen erlernt haben?

Als nicht arisch Aussehende, weiß ich sehr wohl wie es sich anfühlt, ohne nur den geringsten Anlass vor alle gedemütigt zu werden von Polizisten die fast jünger als ich selbst sind und in denen die Mentalität auf ihren Glatzkopf fast rauf geschrieben steht.

Nun frage ich mich wirklich wie lange es dauert, bis wir sozial wieder in „Deutschland 1940“ angelangt sind, denn dass so ein Verhalten auch noch bejubelt wird zeigt schon wie tief man als Gesellschaft gesunken sein muss. Das Einzige das Europa zusammenhält ist wohl wirklich nur die Ökonomie, nicht aber irgendwelche Werte. Ein Verhalten zu bejubeln, welches nicht nur gegen das Deutsche Grundgesetz, sondern auch gegen die Menschenrechte (Art. 1, 2, 7, vermutlich 9 und 11 und noch einigen weiteren) verstößt, sagt alles über den Zeitgeist aus.

Langsam verliere ich wirklich den Glauben in die Menschlichkeit

 

Beitragsbild: shpoks /Pixabay CC0

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