Zu dumm für den Traum

(Einmal Frust loswerden in 3, 2, 1,…)

Als ich ein kleines Kind war hatte ich immer den Traum später Ärztin oder Journalistin zu werden. Als ich zur Oberschule ging, wählte ich extra die gesundheitliche Richtung, die sich sehr intensiv mit Humanbiologie auseinander setzt. Ich lernte sehr spezifische Sachen und obwohl ich manchmal auch schlechte Noten bekam, gefiel mir das Fach sehr gut. Fast alle meiner ehemaligen Schulfreundinnen wurden Krankenschwester. Ich wollte Ärztin werden- wie schon immer.

Da das Jahr aber nicht das Beste war (private Gründe), verschwitze ich die Aufnahmeprüfung und begann mit Germanistik (für den lieben Journalismus), was ich nach gerade mal vier Wochen wieder verwarf. In den beiden darauf folgende Jahren meldete ich mich zwei mal für die Medizin Aufnahmeprüfung in Innsbruck an und besuchte zudem einen Vorbereitungskurs der mehrere Tage lang dauerte. Zwei mal trat ich nicht einmal an. Ich gehörte also zu jenen Geistern die sich anmeldeten und auch einzahlten aber nie erschienen.

Warum?

Weil ich von diesem Test absolut eingeschüchtert war. Nicht nur wegen der Fragen sondern vor allem wegen des demütigenden Drucks der auf einem während der Prüfung lastet. In einem Raum eingepfercht zu sein mit anderen hunderte Menschen und von Aufseherinnen dauernd beobachtet zu werden, die beim kleinsten Fehler schon springen wie wilde Hunde, war schon ein Teil warum beim Test nicht teilnahm.

Der Test selbst besteht aus einen Wissensteil und einen Logikteil und inzwischen aus einen Teil der das Sozialverhalten messen soll. Beim Intensivkurs in Innsbruck wurde uns allerdings schnell klar gemacht, dass es hier nicht darum geht zu messen, wie sozial ein Mensch ist, sondern einfach wie gut er sich verkaufen kann. Für die Antwortreihe dort gibt es nämlich ein richtig und ein falsch. Es geht also nicht um das Sozialverhalten, sondern um Marketing. Im Übrigen könnte mein Bruder mit einer starken Sehbeeinträchtigung den Test niemals machen; er bräuchte ewig um die Fragen zu entziffern. Da frage ich mich ob der Test nicht noch weitere Targets ausschließen soll, als nur die, die nicht intelligent genug sind.

Der Test ist so konstruiert, dass nur absolute Streber oder absolute Intelligenzbestien durchkommen. Die ganze Geschichte ist ein Kampf der mit Ellbogen geführt wird und ich kenne viele Medizinstudent*innen die absolut kein Sozialverhalten besitzen. Vielmehr sind sie aggressiv und sehr arrogant. Und in den Händen von solchen Menschen liegt irgendwann das Leben einer normal sterblichen Person. Wenn ich dann denke, dass beim Test nur die absolut mathematischsten Menschen reinkommen sollen, dann frage ich mich ernsthaft was sich die Länder für eine Ärztelinie züchten wollen? Ich bin mir zu hundert prozentig sicher, meine zwei alten Hausärzte hätten den Test niemals bestanden und waren dennoch immens gute Ärzte. Sie waren nämlich gut in ihrem Fach und sie waren menschlich.

Es mag gut sein, dass Medizin inzwischen ein Prestigestudium der intellektuellen Elite geworden ist, aber dennoch sind die Subjekte immer noch einfache Menschen mit Problemen und mit Ängsten- und keine lästigen Nummern.

Immer wieder treffe ich auf junge Ärzt*innen bei denen ich mich nie getrauen würde überhaupt über irgendeine Beschwerde zu sprechen. Man fühlt sich eher wie ein Störfaktor als wie ein Patient.

Ich bin maßlos enttäuscht darüber, dass durch solche Aufnahmeverfahren Menschen, die sich mehrere Jahre lang inhaltlich auf das Studium sich vorbereitet haben (inklusive Chemie, Physik und logisch Mathematik), nicht die Möglichkeit haben ihren Traum zu folgen, während absolute Logiker*innen, die kein Verständnis vom Menschen haben sondern nur von Zahlen, ein Studium machen können, in dem es in erster Linie um Menschen geht- und nicht um Zahlen.

Dass das Medizinstudium ein solches Prestigestudium geworden ist, liegt in erster Linie an diesem idiotischen Aufnahmetest. Ein solcher Test, der es nur sehr wenigen ermöglicht etwas zu studieren, reizt in erster Linie Menschen, die ihr mathematisches und logisches Können unter Beweis stellen möchten. Anstatt einen Test zu machen, indem man nur als „vollgesunde“ Person eine Chance hat, wäre es besser die ersten Prüfungen viel strenger und rigoroser zu machen um auszumisten. So hat jede Person dieselbe Chance auf diese Prüfungen zu lernen und kann sie mit genug Willen schaffen- bei so einem Test hingegen, ist diese Gleichheit keinesfalls gegeben.

 

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